Herzlichen Glückwunsch an alle treuen Leser dieser Berichte: Dies ist der Letzte! Ihr habt es geschafft, und wir jetzt auch. Ja, wir sind nun tatsächlich in Österreichs Hauptstadt angekommen und haben im Cafe Sacher unsere wohlverdiente gleichnamige Torte verschlungen. Eben noch ein paar Statistikdaten: Wanderstrecke horizontal - 3202000 Meter; Wanderstrecke vertikal - 82862 Meter; verschlissene Paar Schuhe - 2; gegessene Tafeln Milkaschokolade - 200 (geschätzt); Wandertage - 152; Ruhetage - 8; Regentage - 15; gesehene Golfplätze - 6; Kilometer pro Wandertag - 21,7; betretene Staaten - 4; gelesene Bücher - 16,5; Nervenzusammenbrüche - nicht gezählt...
Mehr Statistik fällt mir momentan nicht ein.
Jetzt aber noch ein großes dickes Dankeschön für Eure ganzen Mails und Gästebucheinträge. Sie haben uns moralisch über so manchen Berg geholfen!
Wir sitzen jetzt im Nachtzug gen Heimat, sind totmüde und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!
Wie heißt das doch so schön am Niederrhein: Bis die Tage. Man sieht sich.
nele und philipp - 25. Sep, 20:09
Es ist Herbst, und nach einem Sommer, in dem permanent der 70er-Jahre-Hit von Rudi Carrell namens "Wann wirds mal wieder richtig Sommer" im Radio auf und ab gespielt wurde, sorgte der heutige Tag eindeutig für eine Linderung der gestressten Meteorologenseele. Die Sonne ballerte ihre Strahlen auf Niederösterreich, und die Cabrios wurden wieder ausgemottet. Auch das Wandervolk war frohen Mutes, als es sich langsam aber stetig in Richtung Wien vorarbeitete. Immerhin hat man es nun bis nach Sittendorf geschafft, und für Morgen ist zumindest das Erreichen der äußeren Wiener Stadtgrenze fest eingeplant.
Da sind wir ehrlich und aufrichtig froh, daß Wien nicht in Texas liegt, und daß der europäische Herbst keine Rita kennt.
nele und philipp - 25. Sep, 20:08
150 Tage ohne Hirsch - für einen Jäger eine verdammt lange Zeit! Vor allem, wenn man in diesen 150 Tagen ca. 1000 Stunden in Wäldern verbracht hat, in denen Hirsche durchaus vorkommen können.
Und auch heute haben wir wieder keinen Hirsch gesehen. Leider. Aber immerhin haben wir Hirsche gehört. Hier in Österreich ist nämlich in den letzten Tagen die Hirschbrunft ausgebrochen, und nun schreien und röhren die Könige der Wälder zuweilen auch am hellichten Tag.
Sie wollen wohl sagen: "He schaut her, seit 150 Tagen führen wir euch an der Nase herum, und nun lachen wir euch auch noch aus"...
Irgendwie scheinen die Hirsche diesmal wirklich den längeren Atem zu haben. Wobei ich sagen muß: Das Abendessen soeben hat wirklich köstlich geschmeckt; die reinste Gaumenfreude. Übrigens: es gab Hirschrückensteaks...
nele und philipp - 25. Sep, 20:06
Das geht mir alles ein bißchen zu fix hier: erst gestern haben wir uns von unserem letzten Zweitausender verabschieden müssen, und heute folgt dann gleich noch der letzte Tausender. Unverschämt, sowas! Immerhin haben wir für unseren ersten Tausender ehrfürchtige 70 Etappen trainiert, und der erste Zweitausender krönte unsere 91. Tagestour.
Andererseits ist es vielleicht auch ganz gut, wenn langsam aber sicher die letzten Etappen bis zur Sachertorte anbrechen, denn irgendwie hat man ja nach über 150 Tagen doch ein wenig Hunger angesammelt...
Insofern freuen wir uns, daß der Rest unseres Gesamtvorhabens eher Mittelgebirgscharakter hat. Und mit etwas Glück und Orientierunggeschick könnten wir "schon" am Sonntag in Wien sein.
Wenn das mal gut geht...
nele und philipp - 22. Sep, 09:06
Ach herrje, wie die Zeit doch verfliegt. Im einen Moment hängt man noch in Flensburg rum und erwartet in weiter Ferne die ersten Mittelgebirgshügel, und ehe man sichs versieht ist man 3000 km gelaufen und hat schon den letzten Tourzweitausender abgehakt.
Der aber hatte es so richtig in sich! Wir gingen morgens um 9 im Weichtal, welches auf 563m liegt los: sanfter Regen und leichte Brise. Als wir 5 Stunden später dann auf dem Gipfel des 2075m hohen Klosterwappens standen, waren wir umgeben von dichtem Nebel, Eisregen mit Graupelzusätzen, stürmischem Wind und 2 Grad unter Null kalter Luft. Glücklicherweise wartete nur 10 Minuten entfernt die Fischerschutzhütte. Der dortige Wirt machte ein ziemlich ungläubiges Gesicht, als er die ersten beiden bekloppten Tagesgäste begrüssen konnte. Dennoch erhielten wir heiße Suppen zum wohlverdienten Aufwärmen. Und wenn man dann still und leise die wohlschmeckende Speise in sich hineinschlürft und seinen Gedanken nachhängt, kommt man ganz schnell zu dem Schluß, daß das besondere dieses Gipfels nicht die Kletterei oder die Aussicht oder die Höhe ist, sondern das Wetter und die Belohnungssuppe.
nele und philipp - 22. Sep, 09:05
Da rennt man seit zwei Monaten durch die Alpen, über die ausgefallensten und seltsamsten Berge, und dennoch schaffen es die Teams der jeweiligen Alpenvereinssektionen, insgesamt mit lediglich 5 Leitern zur Sicherung von schwierigen Kletterpassagen auszukommen. Bis dann der heutige Tag in Form des Wachthüttelkamms aufzog. Auf diesem Steig hat man bald nicht mehr das Gefühl, in der natürlichen Bergwelt zu lustwandeln. Eher fühlt man sich verloren im Auslieferungslager der Leiterfirma Hailo (die mit dem roten Punkt). Insgesamt hatten wir das Vergnügen, mindestens 20 Leitern, manche davon bis zu 25 Meter lang, hinabzusteigen. Da hängt man in der Wand und hofft angesichts des vielen Metalls, daß nicht gerade jetzt irgendwo auf dem Berg der Blitz einschlägt...
Nun denn, den Erbauern dieses modernen Kunstgebildes können wir versichern, daß sie alles, aber auch wirklich alles getan haben, um die Sicherheit auf dem Weg zu gewährleisten. Allerdings sollte man dann in Innenstädten auch dazu übergehen, die Zebrastreifen abzuschaffen und stattdessen Fußgängerüberführungen zu konstruieren. Sicher ist sicher!
nele und philipp - 22. Sep, 09:03
Der Wetterbericht hatte nicht zuviel versprochen: als wir heute Morgen wach wurden, lagen draußen 10 cm Schnee und es wehte ein in Böen sehr starker Wind. Und natürlich Nebel, der eine Sicht von ungefähr 20 Metern ermöglichte.
Da der Hüttenwirt keine Bedenken hatte, uns dennoch weiterwandern zu lassen, taten wir genau selbiges.
Der Wind pfiff uns ins Gesicht, und was der vielzitierte "Windchill" ist, konnten wir nun am eigenen Leib erfahren. Zum Glück wartete nach einer Stunde eine Almhütte auf uns. Wir also rein und erstmal mit Tee aufgewärmt.
Die Sennerin war gerade dabei, Butter und Käse herzustellen. Und Nele war sofort Feuer und Flamme, ließ sich alles erklären und durfte auch die verschiedenen Käsesorten probieren. Die waren so lecker, daß wir uns gleich einiges davon einpacken ließen.
Und nun kann Nele nicht nur Brot backen, sondern auch für Brotaufstrich und Käsebelag sorgen.
Die perfekte Hausfrau eben...
nele und philipp - 20. Sep, 16:27
Die ganze Nacht schüttete es aus Kübeln, doch wenn man im trockenen warmen Bettchen liegt, lässt sich das ganz gut aushalten. Als am Morgen der Regen jedoch anhielt und den kompletten Tag durchhielt, war das alles nicht mehr so prickelnd. Dazu kam eine Wettervorhersage, welche ein Sinken der Schneefallgrenze auf 1400 Meter prognostizierte - na denn Prost Mahlzeit.
Dennoch stiefelten wir um 10 Uhr los, und erreichten nach 4 Stunden stetigen Anstiegs bei Dauerregen und Dauernebel eine bewirtschaftete Almhütte.
Nix wie rein, war die Devise!
Nach wenigen Minuten waren unsere Knochen von der wohligen Hüttenwärme aufgetaut, und ruckzuck gings uns wieder gut. Und als der Hüttenwirt uns mitteilte, daß unsere Zielhütte nur noch eine viertel Stunde entfernt sei, waren wir richtig glücklich.
Dort trudelten wir gegen 15.30 Uhr ein, und konnten noch die letzten Takte eines klassischen Bergkammerkonzertes miterleben. Als dieses beendet war und sämtliche Zuhörer per Bus ins Tal gefahren waren, stellten wir fest, daß wir die einzigen Bekloppten waren, die heute "freiwillig" die Schneealpenhütte erwandert hatten.
Kein Wunder, bei dem Sauwetter! Aber eine Alpenhütte für sich alleine zu haben, ist ein nicht zu verachtender Luxus, vor allem wenn die Hüttenwirtin nett ist und einem große Portionen Kaiserschmarrn auftischt, auch wenn der gar nicht auf der Karte steht. Hmmm, war das lecker!
nele und philipp - 20. Sep, 16:26
Heute sind wir vom Graf-Meran-Haus nach Neuberg an der Mürz gelatscht, und ohne daß wir es so richtig mitbekommen haben, war die 3000-km-Marke abgehakt. Nun ist es anscheinend wirklich nicht mehr allzu weit nach Wien, "nur" noch ca. 200 km.
Insofern sind wir bester Hoffnung, unser angestrebtes Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Naja, schaun mer mal!
Zurück zur heutigen Etappe, die wirklich sensationell schön war. Das Wetter paßte, die Temperaturen ermöglichten ein Bräunen der Unterarme, und auf der kompletten Strecke war kein Mensch unterwegs. Wir konnten einige Gemsen beobachten, und überall am Wegesrand warteten Blaubeeren, Himbeeren und sogar Brombeeren auf uns. Irgendwie erinnerte das alles sehr ans Schlaraffenland.
Für Morgen ist leider der große Wetterumschwung angekündigt. Aber was soll`s, dann ziehen wir eben die Pudelmützen an.
Ach ja, jetzt hätte ich fast die sagenhaften Enzianfelder vergessen, die wir heute gesehen haben. Alles blau bis lila, und mitten in vollster Blütenpracht!
Da werden sich die Schnapsschwarzbrenner auf eine reichhaltige Ernte freuen können...
nele und philipp - 20. Sep, 16:25
Wer erinnert sich nicht mit Grausen an den weltberühmten Hitchcock-Klassiker "Die Vögel"? Überall schwarze gemeine aggressive Vögel. Zumeist beruhigt man sich, wenn es allzu schlimm wird, mit den Worten: Das gibts doch nur im Film.
Stimmt aber nicht. "Die Vögel" kann man live erleben, und zwar in Seewiesen! Wir gingen komplett gesättigt von unserem Gourmetmahl nach Hause, als plötzlich eine Krähe von hinten kommend versuchte, auf meinem Kopf zu landen. Die Krallen streiften meine täglich grauer werdende Haarpracht, packten die Kopfhaut zum Glück nicht, und schon flog die Krähe weiter. Allerdings nur zur Dachrinne, um dort ihren nächsten Angriff zu planen. Diesmal sahen wir sie eher, d.h. im Anflug, und konnten sie mit wildem Armgefuchtel zum Abdrehen überreden. Sie startete noch zwei weitere Versuche, und dann wurden wir endlich in Ruhe gelassen.
Es gibt also nicht nur Killereichhörnchen, sondern auch Söldnerkrähen. Horror!
nele und philipp - 20. Sep, 16:24
Die heimliche Gourmethauptstadt Österreichs liegt am Fuße des Hochschwabs, im kleinen verträumten Ort Seewiesen in der Steiermark. Dort trudelten wir nach einer wildanblickreichen Wanderung - immerhin sahen wir mehrere Gemsen sowie einen jungen Steinbock - schon recht früh am Nachmittag ein und kamen sehr gemütlich in einer "Ferien auf dem Bauernhof"-Pension unter.
Die Bäuerin war gerade das Brot für die nächsten 14 Tage am Backen, und da Nele zu Hause auch hin und wieder diesem Hobby frönt, stellte sie sich ebenfalls in die Küche und lernte die letzten Kniffe des erfolgreichen Brotbackens. Das Ergebnis, welches ich abends kosten durfte, ließ das Herz eines Graubrotliebhabers auf alle Fälle höher schlagen!
Für das Abendessen empfahl uns die Bäuerin das Hotelrestaurant Seeberghof (www.seeberghof.at), welches wir nun hiermit allen Feinschmeckern ans Herz legen möchten. Dort bekamen wir eine originelle, frische und sehr schmackhafte Küche geboten. Der Höhepunkt, für den man sich unbedingt ein wenig Platz lassen sollte, sind die Nachspeisen. Vom allerallerfeinsten! Und wer hätte gedacht, daß Campari ganz hervorragend zu Himbeereis und Schokoladenmousse paßt...
nele und philipp - 20. Sep, 16:23
Alpenvereinshütten haben vieles gemeinsam, vor allem ein recht hohes Alter. Fast alle wurden zwischen 1890 und 1920 errichtet und dann im Laufe der Jahre immer wieder ausgebaut, modernisiert und renoviert. Große Herausforderungen stellen heutzutage die ökologischen Anforderungen, die auch vor respektgebietenden Höhen von über 1500 Metern nicht Halt machen. Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Stromversorgung sowie Hygienevorschriften müssen eingehalten werden, und das ist auf Basis der alten Hütten oft sehr kostspielig.
Daher haben sich die Betreiber des Schiestlhauses, auf welchem wir heute übernachten, entschlossen, das alte Haus abzureißen und ein komplett neues zu bauen. Es wurde am 2. September 2005 eröffnet, und so gehören wir nun zum erweiterten Kreis der Ersttester.
Resultat: Super!
Die Hütte hat ein modernes Design, allerdings zum Glück nicht so ufohaft wie die heutigen Seilbahnen. Alles ist auf dem Stand der Technik, mit Wasseraufbereitung und großer Photovoltaik-Anlage. Man merkt förmlich, daß der Architekt sich sehr über seine Aufgabe gefreut hat.
Nun stellt sich für uns nur noch eine Frage: schaffen es die modernen Wände, die Schnarchgeräusche betrunkener Zimmernachbarn auf ein erträgliches Maß herunterzufiltern?
Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen.
nele und philipp - 20. Sep, 16:21
Nach zwei Tagen Bettruhe wegen Neles Erkältung sind wir heute weitergegangen, und zwar von Eisenerz zur Sonnschienhütte. Den ganzen Tag trafen wir keinen Menschen, und wahrscheinlich war das der Grund für die höchst seltene Begebenheit, die uns widerfuhr.
Nichts Gutes oder Böses ahnend schlenderten wir nachmittags durch ein weitläufiges Latschengebiet. Und wer steht da urplötzlich mitten auf dem Wanderpfad? Jawoll, es war ein Steinbock, der gemütlich äsend ca. 30 Meter vor uns verharrte. Es folgten ein 5minütiges Fotoshooting, wobei wir auch seine 3 Kollegen involvieren konnten. Herausgekommen ist eine sehenswerte Fotoserie, und auf einem Bild sieht man sogar Nele im Vordergrund.
Dann zogen die 4 Musketiere ein wenig weiter, wobei sie dies nicht rehlike-hektisch, sondern steinböckisch-majestätisch und sehr ruhig und entspannt taten.
Wirklich bemerkenswerte Tiere!
nele und philipp - 15. Sep, 12:17
Viele bewundern ja die unglaublichen Bauwerke der Inka und Maya, die es in Süd- und Mittelamerika zu bewundern gibt. Doch leider ist die Frage, wie diese Urvölker auf die interessante Stufenform ihrer Pyramiden gekommen sind, noch ungeklärt geblieben. Bis heute, denn heute haben wir das Vorbild der Stufenbauweise entdeckt, und zwar in dem netten österreichischen Ort Eisenerz. Dort wird seit anno dazumal Eisenerz im Tagebau gefördert. Dazu wird Gestein am örtlichen Erzberg entnommen, und so entstand in den vergangenen zigtausend Jahren eine riesige Naturpyramide, ähnlich wie die der Inka und Maya.
Wahrscheinlich ist irgendwann mal ein Österreicher mit dem Boot über den Großen Teich gefahren und hat den Urvölkern Amerikas den Trick mit der Stufentechnik verraten. Ganz einfach eigentlich.
Das würde auch erklären, wie die Österreicher zu ihrer einzigen olympischen Medaille bei den Spielen letztes Jahr in Athen gekommen sind.
Die bekamen sie nämlich in einer klassisch österreichischen Sportart, dem Segeln.
nele und philipp - 15. Sep, 12:16
Irgendwie stimmte heute etwas nicht mit der Erdanziehungskraft. Dauernd haben wir uns auf die Nase gelegt, zumeist auf diesen ekligen Bergabgeröllpassagen, wo kleine Steine wie Murmeln verstreut herumliegen und auch eine ähnliche Wirkung haben.
Dennoch haben wir die Etappe nach Radmer ohne größere Blessuren überstanden, nur ein paar Kratzer mußten versorgt werden.
Dann wollen wir mal hoffen, daß dies eine Ausnahme war und wir Morgen unsere gewohnte Trittsicherheit zurückerlangen...
nele und philipp - 15. Sep, 12:15
Heute fiel es mir wie Schuppen aus den Augen: Wir haben schon September! Das ist seit dem April der erste Monat mit einem "r" im Namen, d.h. es gibt wieder Muscheln zu essen. Weiterhin startete am 1. September laut meteorologischem Kalender der Herbst, und dies bedeutet unter anderem kälter werdende Temperaturen.
Als wir heute von Johnsbach zur Hesshütte aufstiegen, bekamen wir eine sehr angenehme September- bzw. Frühherbstkostprobe. Die Sonne ballerte ihre wärmenden Strahlen auf die Erde, der Himmel oberhalb der Gipfelgrate war tiefblau, und auch der Wind hielt sich dezent zurück. Um 15 Uhr erreichten wir unser auf 1700 m gelegenes Höhendomizil und pflanzten uns auf die Sonnenterrasse. Doch schon um 16 Uhr pfiff ein kühler bis kalter Wind um die Hütte, und als kurz darauf auch die Sonne hinter dem Berg verschwand, mußten wir uns der Kälte geschlagen geben und an den Kamin wechseln. Und dort ließ sich der September wieder richtig genießen: angenehme Temperaturen drinnen, und draußen eindrucksvolle Kletterberge unter wolkenlosem Himmel. Ein echter Hochgenuß!
nele und philipp - 15. Sep, 12:13
Viele Alpenhütten würden nicht so hervorragend funktionieren ohne Nepal. Denn dieses sympatische Land, welches die Heimat des Mount Everest, des "Daches der Welt", des "3. Poles" darstellt, ist gleichzeitig die Heimat der Nepalesen. Vielen europäischen Bergsteigern sind die Alpen mittlerweile zu klein und niedlich geworden, und so zieht es sie ins weit entfernte Himalaya-Gebirge, wo es die höchsten Berge unseres Planeten gibt. Dort angekommen, lernen sie zumeist auch Einheimische kennen, und bald kommt eins zum anderen, und es wird geheiratet. Man zieht nach Europa, doch schnell wird es dem nepalesischen Ehepartner zu stickig in den europäischen Städten. Man sucht nach einer Lösung, und diese sieht oft so aus, daß man eine Alpenhütte bewirtschaftet. Dort ist vieles noch ursprünglich und somit nepalähnlicher als drunten im Tal. Man lebt glücklich bis ans Ende seiner Tage.
Vor diesem Hintergrund lassen sich ganz einfach die vielen nepalesischen Gebetsfähnchen, die nepalesischen Ohrenmützen und die nepalesischen Mahlzeiten erklären, die es auf so mancher Alpenhütte gibt. Sie bringen noch mehr Farbe und Abwechslung in die Berge, und sind somit eine echte Bereicherung.
Hoffentlich benehmen sich die Europäer, die Nepal besuchen, genau so angenehm wie die immer freundlichen Nepalesen in den Alpen!
nele und philipp - 15. Sep, 12:12
Als altem Niederrheiner fällt einem das Aussprechen des Buchstabens "G" zu Beginn eines Wortes schwer. Beispielsweise begrüßen sich Ureinwohner dieses Landstrichs nicht mit "Guten Tag", sondern mit "Juten Tach". In Gebeten spricht man mit dem lieben Jott, und Mitglied ist man im Jolfclub Stadtwald.
Wenn denn dann der gemeine Niederrheiner eine Fernwanderung von Flensburg nach Wien unternimmt, kommt er auf seinem Weg unweigerlich auch durch die wunderschöne Jebirgsregion namens Jesäuse.
Und genau dort sind wir jetzt! Heute z.B. wanderten wir von Admont, wo übrigens die größte Stiftsbibliothek der Welt situiert ist, zur Oberst-Klinke-Hütte. Und Morgen geht es weiter, zur Mödlinger Hütte, mitten ins Herz des sagenhaften Jesäuses.
nele und philipp - 5. Sep, 12:42
Wir waren in einem Supermarkt, um unsere aufgebrauchten Notvorräte an Lebensmitteln wieder aufzufüllen, z.B. Schokolade, Chips, Twix und Knäckebrot. Und was mußten meine armen Äuglein dort bereits am 3. September erkennen? Genau, endlich gab es Weihnachtsgebäck zu kaufen! Lebkuchen in allen Formen und Farben, mit Zuckerguß und ohne, einfach super. Ein kurzes Kopfrechenexempel verriet mir umgehend: Verdammt, nur noch 112 Tage bis Weihnachten!
Ich verfiel in Panik. Wie sollte ich in der kurzen Zeit all die vorweihnachtlichen Aufgaben erledigen? Geschenke kaufen, besser noch basteln (da freut man sich als Beschenkter doch gleich viel mehr...), einen Weihnachtsbaum schlagen, selbigen schmücken, Weihnachtslieder auswendig lernen, Weihnachtsgedichte schreiben, und vor allem, ganz viele Weihnachtssüßigkeiten essen.
Die Zeit ist einfach viel zu knapp bemessen, und wir hängen doch noch immer in Österreich rum und brauchen noch ein paar Wochen bis Wien. Es ist zum Aus-der-Haut-fahren!
Daher folgende dringende Bitte an die Schokoladenindustrie: Bitte bitte, stellt die Weihnachtslebkuchen nächstes Jahr direkt nach der Fußballweltmeisterschaft, also so Mitte Juli, in die Regale. Dann würde uns armen Verbrauchern wenigstens genügend Zeit für all die vorweihnachtlichen Erledigungen bleiben, und die Einkäufe würden nicht in Streß ausarten. Das wäre wirklich ganz lieb von Euch!
Danke Danke Danke!
nele und philipp - 5. Sep, 12:41
Auf der normalen Alpenvereinshütte gibt es eine eiserne Regel, die auch sehr strikt von allen Beteiligten eingehalten wird: Hüttenruhe um 22 Uhr. Auf manch ausgesuchter Hütte existiert eine Hüttenruhe von 23 Uhr, mehr Ausnahmen gibt es nicht!
Außer letzte Nacht auf der Zellerhütte. Zunächst verlief der Abend sehr sehr ruhig. Wir aßen einen wunderbaren mit Käse überbackenen Nudelauflauf und genossen anschließend den gemütlichen Hüttenabend. Um kurz nach Neun beschlossen wir unsere Lagerbetten zu beziehen, um an der Matratze zu horchen, was aufgrund der Tatsache, daß wir die einzigen Gäste waren, durchaus Aussicht auf Erfolg hatte. Kaum lagen wir in unseren Schlafsäcken, erkannten wir Taschenlampenstrahlen außerhalb der Hütte durch die Dunkelheit huschen. Da kamen um halb Zehn doch tatsächlich noch Wanderer zur auf 1500 Metern mitten im Urwald gelegenen Zellerhütte!
Wie sich herausstellte, handelte es sich um Bekannte des Hüttenwirtes, und so begann eine ziemlich laute Nacht. Um 1 Uhr nachts wachte ich von einer wirklich gekonnt dargebrachten Adriano-Celentano-Imitation des 70er Jahre Hits "Una festa sui prati" auf. Wann wird einem so ein Schmankerl schon mal geboten?
Um halb zwei wurden dann sogar die Nachtschwärmer müde, und die Hütte kam zur Ruh.
Endlich. Bis auf das Schnarchen der im selben Lager stationierten Alkoholiker.
Hüttenruhe 22 Uhr: Find ich gut!!!
nele und philipp - 5. Sep, 12:40
Nele ist die Heldin des Tages!
Wir starteten heute Morgen auf dem Prielschutzhaus in Richtung Hinterstoder, um unserem Etappenziel Zellerhütte kontinuierlich näherzukommen. Die Sonne brannte unerbittlich, doch wollen wir uns darüber mal ausnahmsweise nicht beschweren. Auf den letzten 2 Kilometern mußten wir noch 700 Höhenmeter überwinden. Begleitet wurden wir dabei von jammervollem Hundegejaule, welches links vom Weg aus dem urwaldähnlichen Gehölz schallte. Sehen konnten wir den armen Vierbeiner jedoch nicht.
Oben angekommen, gönnten wir uns ein himbeerkleppsüßes Schiwasser, und wie wir da so auf der Terrasse saßen, schlich der kleine Dackel aus dem Gestrüpp und schaute uns mitleidig an. Nele schaltete am schnellsten, und schon hatte sie den jungen Teckelrüden am Schlawittchen. Zum Glück war auf dem Halsband ein Schild angebracht, auf welchem Halter, Herkunft und Handynummer notiert waren. Nach kurzem Telefonat stand fest, daß das brave Herrchen schon im Tal war, doch Waldi noch auf dem Berg.
Die letzten Tagesgäste erbarmten sich und nahmen den Vöcki unter ihre Fittiche auf dem Weg nach unten.
Happy End dank Nele!
nele und philipp - 5. Sep, 12:39
Was soll das denn nun wieder sein? Haben Hütten mittlerweile ein magnetisches Feld eingebaut, das die Kompassnadel des Bergwanderers beeinflußt?
Beinahe könnte man diese Frage mit "Ja" beantworten.
So wie jeder Golfer das 19. Loch herbeisehnt, freut sich der Bergwanderer auf den Anblick seiner Zielhütte. Dabei ist es relativ egal, ob diese dann noch weit entfernt oder schon recht nah ist. Auf alle Fälle wirkt ab dem Zeitpunkt des Erblickens der sogenannte Hüttenmagnet. Dieser beeinflußt die Wandermotivation auf besonders positive Art und legt ungeahnte Kräfte frei. Geplante Ruhepausen werden rigoros ignoriert, da ja der Hüttenmagnet einem suggeriert: Kaiserschmarrn, Spaghetti, und reichlich Radler!
Heute, auf unserem Teilstück durchs Tote Gebirge von der Pühringer Hütte zum Prielschutzhaus, hat der Hüttenmagnet wieder einmal zugeschlagen. Die letzten 300 Höhenmeter vergingen wie im Fluge, und ruckzuck saßen wir beim Abendessen.
Bei Spaghetti und Radler!
nele und philipp - 5. Sep, 12:38
Nun sind wir durch ganz Deutschland und halb Österreich gestiefelt, und trotzdem hatten wir heute lange Zeit den Eindruck, durch die Pyrenäen gewandert zu sein. Das Teilstück von der Loserhütte zur Pühringer Hütte erinnerte aufgrund seines hellen hochplateauartigen Felsens und seiner pinienverwandten Latschenvegetation an das spanisch-französische Grenzgebirge. Dies im Zusammenwirken mit schwülwarmem Wetter und überhaupt nicht vorhandener Besiedlung ließ einen an eine Wanderung in südeuropäischen Gefilden glauben.
Leider mußten wir auf die traditionelle Siesta verzichten, da die Strecke lang und sehr reliefbetont war. Unsere Zielhütte erreichten wir ziemlich geschlaucht nach immerhin gut zehn Kraxelstunden, doch der Kaiserschmarrn entschädigte für so einiges, sogar für die auf der Speisekarte fehlende Paella.
Warum der Alpengebirgszug, welchen wir momentan heimsuchen, "Totes Gebirge" heißt, blieb uns bisher allerdings verborgen. Gemsen und ähnliches Getier konnten wir in genügender Anzahl nachweisen. Vielleicht wissen wir ja Morgen mehr. Schaun mer mal...
nele und philipp - 5. Sep, 12:37
Das schönste Wetter für eine ausgedehnte Alpenwanderung ist und bleibt der Sonnenschein!
Endlich, nach langen Tagen des Nebels und Regens, war uns ein fast wolkenloser Tag vergönnt. Wir brachen um Punkt neun Uhr in Bad Goisern am Hallstätter See auf. Zügig ging es bergan, wobei wir immer wieder tolle Ausblicke auf den See und den über ihm thronenden Dachstein hatten. Nach 4 Stunden machten wir eine wohlverdiente Mittagspause auf der einsam und still daliegenden Terrasse der auf 1500 Metern gelegenen Lambacher Hütte. Die Hütte ist wochentags leider nicht bewirtschaftet, doch hat der Wirt auf der Hüttenrückseite einen gut gekühlten Kasten Bier sowie Radler geparkt. Für drei Euro darf man sich bedienen, und sowas ließen wir uns nicht zweimal sagen.
Nach einstündiger Rast ging es beschwingt weiter in Richtung der Blaa-Alm. Unterwegs genossen wir einen glasklaren Blick auf den Schafberg sowie den unterhalb gelegenen Wolfgangsee. Das Wieslerhorn wurde leider von der Bleckwandrückseite verdeckt. Um 18 Uhr erreichten wir bei immer noch strahlendem Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen die oberhalb von Bad Aussee gelegene Loserhütte. Auf der dortigen Terrasse verbrachten wir bei Schnitzel, Pommes und Kaiserschmarrn sowie einer sensationellen Alpenpanoramasicht den Abend.
Was kann es schöneres geben?
nele und philipp - 5. Sep, 12:35
Bisher wußten wir auch nicht, was die Unesco mit einer Wanderung von Flensburg nach Wien zu tun hat. Doch auf unserer heutigen Etappe von der Simonyhütte auf dem Dachstein ins lauschige Bad Goisern wurden wir eines besseren belehrt. Denn auf halber Strecke erreicht man nach 1700 Abstiegshöhenmetern (oder heißt das "Tiefenmeter"???) den Hallstätter See. Dieser See hat seinen Namen, genauso wie der Hallstätter Gletscher, von dem mittlerweile kleinen und eher unbedeutenden Örtchen namens Hallstatt. Das besondere an diesem Dorf war in den vergangenen 3000 Jahren die dort stattfindende Salzgewinnung, und früher war "Hallstätter Salz" ein Qualitätsbegriff. Mittlerweile kann man wohl nicht mehr reich werden allein vom Salz, und so hatte die Unesco die lustige Idee, Hallstatt zum Weltkulturerbe zu ernennen. Und seitdem tauchen hier busweise Touristen auf, vorzugsweise aus Italien, machen Fotos, kaufen Souvenirs, trinken einen Capuccino, um alsdann wieder gen Italien abzurauschen.
Frei nach dem Motto: Weltkulturerbe - find` ich gut!
nele und philipp - 5. Sep, 12:34
Was ist bloß los beim Alpenverein?
Nele und ich sind jetzt seit Anfang des Jahres Mitglied im Alpenverein, und aufgrund unserer diversen Hüttenübernachtungen haben wir mittlerweile ein wenig in diesen Club "hereinschnuppern" können.
Er wurde anno tupps als "Deutscher und Österreichischer Alpenverein" gegründet, doch irgendwann wurde dieses internationale Gebilde in zwei separate Clubs aufgesplittet. Schade! Denn irgendwie hat man als neues Mitglied den Eindruck, daß es früher alles etwas besser, schöner und harmonischer war als heute. Ein interessantes Beispiel für die immer wieder entstehenden Spannungen ist das Thema Rauchen.
Der Deutsche Alpenverein hat in seiner Jahreshauptversammlung 2004 beschlossen, daß auf allen Hütten des DAV absolutes Rauchverbot herrscht. Auch auf den DAV-Hütten, die in Österreich liegen. Überall hängen jetzt Plakate, die mit diesen generell rauchfreien Hütten werben. Soweit, sogut.
Als Retourkutsche für diese Werbeaktion hat sich der Österreichische Alpenverein eine eigene Kampagne ausgedacht, die damit wirbt, daß auf den Hütten des ÖAV ausdrücklich kein Rauchverbot herrscht.
2 Werbekampagnen, 2 Werbeetats, 2 kontroverse Aussagen. Kompliment!
Da wünscht man sich doch die guten alten Zeiten des gemeinsamen Alpenvereins zurück. Da wurde das Vereinsvermögen, sprich die Mitgliedsbeiträge, sicherlich etwas intelligenter investiert...
nele und philipp - 5. Sep, 12:33
Der Gosau-Gletscher ist der östlichste Alpengletscher, und genau an dem sind wir heute vorbeigegangen. Und von unserem Schlafgemach ist er auch nur 200m entfernt. Er leuchtet bläulich-weiß, und auf alle Fälle ist er sehr imposant und sogar ein wenig bedrohlich.
Zum Glück ist er nicht abgedeckt, so wie es in der Schweiz ja mittlerweile in Mode gekommen ist. Hier wird der Lauf der Natur noch respektiert, und der Gletscher in Ruhe gelassen. Zumindest von direkten Einflüssen, leider nicht von klimatischen Veränderungen.
Morgen soll das Wetter noch ein wenig besser werden, und vielleicht verschwinden dann auch die hohen Wolken, die den oberen Gletscherabschnitt momentan verhüllen.
Für Spannung ist also gesorgt...
nele und philipp - 5. Sep, 12:32
Nach dem gestrigen Feuersalamander können wir heute wieder eine Begegnung mit einem seltenen Kriechtier vermelden, nämlich mit einer leibhaftigen Kreuzotter.
Wir hatten soeben den Hauptteil der zu erklimmenden Höhenmeter erreicht und befanden uns 1600 Meter über dem Meer kurz vor der Hofpürglhütte. Da das Wetter ausnahmsweise mal mitspielte, genossen wir eine herrliche Fernsicht auf das Großglocknermassiv und den Hochkönig. Die Grundeinstellung war schlicht und ergreifend positiv.
Doch was war das? 60 cm lang, schnell schlängelnd, auf dem Rücken mit einem gefährlichen Zickzackmuster versehen, bedrohte uns eine wild zischende Kreuzotter. Dieses grausame, furchterregende, horrende, giftige und menschenfressende Monster sah auf einmal ganz niedlich aus. Dennoch fingen wir nicht mit zutraulichem Getätschel an, so wie Nele es vorzugsweise mit jedem dahergelaufenen Rindvieh praktiziert. Aber irgendwie schlossen wir doch Freundschaft, und jeder ging alsbald seiner Wege.
Was für eine glückliche Sommergeschichte...
nele und philipp - 5. Sep, 12:30
Auf einer normalen Berghütte des Deutschen oder Österreichischen Alpenvereins sieht das Frühstück eher bescheiden aus. Es gibt 3 Scheiben Graubrot, Butter sowie ein wenig Marmelade und Leberwurst, dazu noch eine Tasse Kaffee oder Tee. Alles einfach, aber durchaus ausreichend.
Das heutige Frühstück auf der Erichhütte stellte sämtliche vorhergegangenen Hüttenfrühstücke deutlich in den Schatten. Wahrscheinlich lag das unter anderem an dem Motto unserer sehr freundlichen Hüttenwirtin: Das Frühstück muß sitzen!
Neben den oben erwähnten Standardutensilien servierte sie Orangensaft, hartgekochte Eier sowie - man höre und staune - frisch gebackenen Blaubeerkuchen!
Wir waren sehr überrascht und gleichermaßen begeistert. So ließen sich die kommenden avisierten Regenstunden wirklich aushalten.
Wer also auch auf der Hütte ein gewisses Frühstücksniveau nicht missen möchte, der sollte sich den Namen Erichhütte hinter die Löffel schreiben - es lohnt sich!
nele und philipp - 5. Sep, 12:30
Und wieder regnet es. Was liegt da näher, als den gestern gesponnenen philosophischen Faden wieder aufzugreifen und sich weitere Gedanken rund um den Hochkönig zu machen.
Die Geschichte hätte sich auch ganz anders abspielen können: Ein Engländer kommt nach Hinterthal und macht "hiking", also Bergwandern. Er wandert auf den nächsten Berg, krabbelt wieder ins Tal und trifft dort den örtlichen Volksschullehrer, welcher ihn fragt, wo er denn gewesen sei. Der Engländer antwortet, während er mit dem Finger gen Gipfel zeigt:"Hiking"
Der Volksschullehrer versteht natürlich "High king", übersetzt dies ins Deutsche, und schon ist der Berg auf den Namen Hochkönig getauft.
Nun gut, zum Glück war der Regen gegen Ende der Etappe von Hinterthal zur Erichhütte nicht mehr allzu doll, und wir hatten das seltene Vergnügen, einen auffliegenden Auerhahn beim Auffliegen beobachten zu können.
Er war sozusagen "aufgeflogen..."
Endlich mal wieder ein Highlight, über welches man ohne rot zu werden berichten kann.
nele und philipp - 5. Sep, 12:30
Was kann man von einem Tag, an dem es vom Etappenbeginn um 8.30 Uhr bis zum Etappenende um 15.30 Uhr nur regnete, schon Wissenswertes berichten?
Man geht so vor sich hin, kann aufgrund des Nebels nicht viel sehen, und außerdem versperrt einem der Regenanorak sowieso die meiste Sicht. Die Erlebnisse, die sich einem auf solch einem Teilstück offenbaren, sind insofern eher mentaler Natur.
Beispiel: Man beginnt zu philosophieren, wobei die aufkommenden Gedanken zugegebenermaßen recht verschrobenen Ursprungs sind. Da gibt es einen Berg hier in der Nähe namens Hochkönig. Wie der diesen Namen bekommen hat, weiß ich nicht. Aber vielleicht hat ja vor vielen vielen Jahren ein bergbegeisterter Engländer den Weg zum Hochkönig entdeckt, und alsdann die englische Sprache um ein Wort mit der Bedeutung "Bergwandern", nämlich "Hiking", erweitert. (Hochkönig = High King = Hiking).
Naja, solche Dinge gehen einem an einem Regentag zwischen dem Riemannhaus und Hinterthal durch den Kopf. Ich muß schon sagen: Ganz schön gestört...
Dennoch möchte ich der kleinen aber feinen Leserschar mitteilen: Es geht uns gut, ehrlich!
nele und philipp - 5. Sep, 12:29
Wir haben uns heute bei Regen durchs Steinerne Meer von der Ingolstädter Hütte zum Riemann Haus begeben. Diese sehr kurze Tour ließ uns aus gegebenem Anlass genügend Zeit über unsere kleinen Schwestern zu reden. Mit der einen haben wir diese Tour letztes Jahr bei schönem Wetter gemacht und sie hat uns die Berge ihrer Wahlheimat Saalfelden gezeigt. Die andere rief vorgestern an und wäre heute fast mit uns gelaufen.
Wir haben uns entschlossen, daß es an der Zeit ist den beiden mal ein dickes DANKE zu sagen.
Bine hat durch ihre Rückkehr diese Tour so unkompliziert möglich gemacht, denn sie hütet alles in Krefeld. Diana sorgt durch stetigen Einsatz dafür, daß wir online aktuell bleiben und das uns unsere Post sogar auf der Zugspitze erreicht.
Wir haben zwei ganz tolle kleine Schwestern und sind mächtig stolz auf sie.
Vielen Dank euch beiden, dafür und für alles andere.
Eure großen Geschwister.
nele und philipp - 5. Sep, 12:29
Nun sind wir ja schon einige Zeit unterwegs und haben allerhand Wandererfahrung sammeln können. Und dennoch haben wir die heutige Tour von Lofer zum Ingolstädter Haus gründlich unterschätzt. Irgendwie haben uns die 1860 Höhenmeter kombiniert mit 31 km Strecke arg zugesetzt, sodaß wir ziemlich müde und erschöpft die Hütte erst um 19.25 Uhr erreichten. Da um 19.30 Uhr die Küche schloß, war unsere Ankunft gerade noch rechtzeitig, und die folgenden Spags Bolo waren vom allerallerfeinsten.
Höhepunkt unserer sonnendurchfluteten Etappe war jedoch das Auftauchen des von uns schon sehnsüchtigst erwarteten Adlers. Wir bemerkten ihn durch das attackierende Geschrei der zahlreichen Bergdohlen, die seine Gegenwart gar nicht leiden mochten und ihn mit vereinten Kräften verscheuchten.
Die Reaktion des Königs der Lüfte war majestätisch arrogant, er reagierte gar nicht, nicht mal mit einem Schlagen der Flügel. Er segelte unbeirrt weiter auf seiner Bahn, so als ob er allein auf der Welt sei. Beeindruckend.
nele und philipp - 5. Sep, 12:29
Gerade war der gestrige Bericht fertig geschrieben und das Abendbrot aufgegessen, als der dichte Nebel, welcher den ganzen Tag das Straubinger Haus eingehüllt hatte, von einem Augenblick auf den anderen verschwand. Was uns dann in den letzten beiden Dämmerungsstunden des Tages geboten wurde, war sagenhaft, wobei Negativisten sicherlich eher zu dem Begriff "kitschig" greifen würden. Der nüchtern-sachliche Zeitgenosse hingegen hätte konstatiert, daß lediglich die Sonne unterging.
Das allerdings tat sie, und dabei produzierten die Sonnenstrahlen im Zusammenspiel mit den restlichen Wolkenfetzen und dem Wilden-Kaiser-Panorama Bilder von atemberaubender Schönheit. Wir waren so ergriffen, daß wir fast die ganze Zeit aus dem Fenster gafften, und insgesamt haben wir über 30 Fotos geschossen, wobei diese wohl nicht annähernd die Farben und die durch Kuhglockengebimmel untermalte Stimmung widergeben. Das Farbenspektrum begann im Gelblichen, schlich übers Orangene ins Rötliche, und gipfelte schließlich im Dunkelblau-lilanem, wobei einige Wolkensplitter eher rosa leuchteten. Unbeschreiblich, im wahrsten Sinne des Wortes!
Wer also mal einen Bilderbuchsonnenuntergang erleben möchte, der sorge für gutes Wetter und setze sich mit einem Weißbier auf die Terrasse des Straubinger Hauses. Alles weitere kommt dann von alleine!
nele und philipp - 5. Sep, 12:29
Die Flut hat uns noch immer nicht erwischt, und irgendwie hoffen wir, daß das bis Wien so bleiben wird.
Die angenehme Nebenwirkung der vielen Niederschläge zeigt sich in der ziemlich dünnen Wandererdichte, die wir in den letzten Tagen feststellen konnten. Dadurch wird die Tierwelt wenig beunruhigt, und man hat öfters die Gelegenheit, seltene Lebewesen zu beobachten. Nach Adler, Birk- und Auerhahn, hatten wir heute das große Vergnügen, den gelb-schwarzen Feuersalamander kennen zu lernen. Übrigens ein wahres Prachtexemplar von annähernd 20 cm.
Unsereins ist dieser Lurch ja eher aus dem Schuhladen bekannt, doch allen Unkenrufen zum Trotz gibt es ihn sogar in Echt. Irgendwo zwischen Pfarrwerfen und Lungötz.
nele und philipp - 5. Sep, 12:27