Mittwoch, 4. Mai 2005

16. Etappe: Papstmania

Von Lübeck nach Ratzeburg

Was hat denn nun bitte der Papst mit unserer E1-Wanderung zu tun?

Zunächst mal gar nichts!

Mittlerweile sind wir 16 Tage unterwegs und haben uns von den sonst allgegenwärtigen Medien entfernt gehalten. Keine Zeitung, kein Radio, und Fernsehen auch nur kleckerweise, da auf unseren Zimmern entweder gar keine Flimmerkiste vorhanden war, und wenn doch, dann waren wir viel zu erschöpft, um wirklich mitzukriegen, was auf der Welt passiert.

Zur Verdeutlichung: als wir losgingen, war der neue Papst noch nicht gewählt.

Dennoch war es selbst für uns unmöglich, der in Deutschland ausgebrochenen Papstmania zu entfliehen. Zunächst bekamen wir am Wahltag eine SMS von einer Freundin, welche mir bis dahin nicht gerade durch klerikales Verhalten aufgefallen war. Inhalt: Es gibt einen neuen Papst.

Abends dann im ntv-Ticker die frohe Kunde, daß der neue Papst Herr Ratzinger aus Bayern sei.

Am folgenden Tag, beim Kauf von Gebäck, die übergroße Bildzeitungsschlagzeile "Wir sind Papst".

Wenige Tage später erfahre ich durch meine Schwester, daß der ehemalige VW-Golf von Herrn Ratzinger bei ebay für 62000 EUR gehandelt wird.

Und zu guter Letzt soll jetzt noch ein Lied mit dem Titel "Wir sind Papst" die Hitparaden stürmen.

Bei soviel Papsthysterie machte ich mir gewisse Sorgen ob der Namensgebung unseres Zielortes. Aber, wie ich soeben feststellen konnte, hat die Stadt Ratzeburg ihre Ortsschilder noch immer nicht in "Ratzingerburg" umgeschrieben.

Und hier zitiere ich nun gerne Herrn Wowereit, der in anderem Zusammenhang einmal sagte:

"Und das ist gut so!"

15. Etappe: Lübeck liegt am Äquator

Von Kreuzkamp nach Lübeck
Auf der heutigen Etappe sollten wir laut Plan das Lübecker Stadtgebiet nicht verlassen. Unsere Erwartungshaltung lag also irgendwo zwischen "gemäßigtem Klima" und "einheimischer Flora und Fauna".

Es kam aber, wie sollte es anders sein, ganz anders.

Um Viertel vor Neun verließen wir unser wohnliches Motelquartier, welches wir ausnahmsweise auch ohne Auto benutzen durften. Schon nach wenigen Augenblicken entledigten wir uns unserer Jacken wegen der schwülwarmen Witterung. Der Weg führte uns durch urwaldartige Sumpfgegenden. Die Hitze stand, es rührte sich kein Lüftchen, und Schweiß tropfte aus unseren Poren. Schmetterlingsmassen tanzten um uns herum, und irgendwann schreckte Nele hoch, da sie eine Schlange gesehen zu haben glaubte.

Man muß sich das mal vorstellen: keine 5 km Luftlinie entfernt wird in der Lübecker Innenstadt gerade Marzipan bei Niederegger verspeist, und Nele warnt einen vor einer Schlange!

Ungläubig eilte ich herbei, und tatsächlich ringelte sich da angekündigtes Reptil. Wir bestaunten es ein wenig, und bald gingen wir ein paar Meter weiter, um unsere Zip-off-Hosen auf einer nahegelegenen Bank zu kürzen. Und wie ich da so sitze und hin und her zippe, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie im ca. 3 m entfernten Teich eine v-förmige Wellenspur an mir vorbeizieht: eine muntere Wasserschlange.

Da war nun endlich der Beweis erbracht: Lübeck liegt eben doch näher am Äquator, als man gemeinhin wahrhaben will.