Freitag, 27. Mai 2005

38. Etappe: Obelix

Von Detmold nach Altenbeken
Eine sehr abwechslungsreiche und anstrengende Tour von Detmold nach Altenbeken galt es zu bewältigen. Zuerst ging es direkt steil nach oben zum riesigen Arminius-Denkmal, landläufig besser bekannt als "der Hermann". Dann gings weiter über Stock und Stein bis zu einer ganz eigenartigen Ansammlung von hinkelsteinartigen Felsbrocken. Spätestens hier muß jedem eingefleischten Asterix-Fan klar werden, daß das "kleine gallische Dorf", welches zu Beginn eines jeden Asterix-Heftes per Lupe sichtbar wird, nicht in der Bretagne, sondern an der Schnittstelle zwischen Teutoburger Wald und Eggegebirge zu finden ist, liegen hier doch die einzig wahren Hinkelsteine.

Um ein wenig dem zu erwartetenden Trubel auszuweichen, haben die heutzutage dort lebenden Menschen diese Steine in "Externsteine" umgetauft. Aber jeder, der schon mal von Obelix gehört hat, wird diesen Bluff schnellstens durchschauen.

Weiter ging es dann durch das "Silberbachtal", welches durch seine abgelegene und malerische Lage jedem Winnetou-Film als Schauplatz genügt hätte.

Zum Abschluß des Tages gab es schließlich den Aufstieg in historische Gefilde, nämlich auf die beiden Berge namens "Lippischer Velmerstot" sowie "Preußischer Velmerstot". Hier wird klar, daß die dort oben verlaufende Grenze einst von deutlich größerer Bedeutung war als heutzutage.

Übrigens ist die Aussicht von dem gänzlich aus Holz gebauten Holzturm absolut phantastisch. Ich glaube, ich konnte sogar beinahe die Zugspitze sehen...

37. Etappe: Aussichtstürme

Von Extertal-Linderhofe nach Detmold
Aus der nordöstlichsten NRW-Wintersportecke namens Linderhofe sollte es heute an der altehrwürdigen Hansestadt Lemgo vorbei nach Detmold gehen. Schon um 8 Uhr hatten wir die Stiefel geschnürt und machten uns auf den landschaftlich sehr reizvollen Weg.

Kurz vor Lemgo erreichten wir dann einen Aussichtsturm, der uns einen freien Blick auf Lemgo bieten sollte. Am Fuße dieses Turmes war ein Schild angebracht worden, welches darauf hinwies, daß das Besteigen auf eigene Gefahr erfolge. Dazu war die Eingangstür verschlossen, und somit konnten wir diesen Turm wegen fehlender Kletterausrüstung nun nicht bezwingen.

Insgesamt jedoch müssen wir zugeben, richtige Aussichtsturmfans geworden zu sein. Viele unserer wohlverdienten Wanderpausen verbringen wir mittlerweile auf diesen zumeist an exponierter Stelle gelegenen Bauwerken und genießen die dortige Fernsicht und Ruhe. Letzteres gilt vor allem für die Türme, die nicht mit dem Auto erreichbar sind, bzw. keine Gastronomie aufzuweisen haben. Hier sind Menschen eine anscheinend aussterbende Spezies.

Vielen Dank also an alle diejenigen, die für den Bau und die Erhaltung dieser Türme sorgen oder gesorgt haben. Und bitte die Türen immer offen lassen!

36. Etappe: Der erste Golfplatz

Von Hamlen nach Extertal-Linderhofe
Dieser Tag führte uns von Hameln durchs Weserbergland in den Wintersportort Linderhofe, welcher bereits im frischbewählten Nordrhein-Westfalen liegt. Von nervigen Wahlplakaten wurden wir bei unserer Ankunft dankenswerterweise verschont.

Insgesamt war die Tour von der körperlichen Seite her ziemlich anspruchsvoll, mußten doch 876 Höhenmeter erklommen werden. Aber auch landschaftlich hat das Weserbergland, welches hier nahtlos ins Lippische Bergland übergeht, einiges zu bieten. Grüne Wälder, blumige Wiesen, gelb-leuchtende Rapsfelder sowie weite Fernblicke entschädigen reichlich für drückende Füße und schweißnasse Hemden.

Die größte psychologische Hürde - weniger für Nele aber umso mehr für mich - war die Begegnung mit dem ersten Golfplatz am E1. Schon auf der Wanderkarte hatte ich den in Golferkreisen nicht unbekannten Namen "Schloß Schwöbber" gelesen, und somit wußte ich bereits, daß wir nur unweit des gleichnamigen Golfplatzes entlangwandern würden. Und tatsächlich, auf einmal sahen wir eine Golfbahn vor uns, mit erhöhtem Grün, malerisch umrahmt von hohen Laub- und Nadelbäumen.

Nur wenige Meter weiter legten wir unsere erste Frühstückspause ein, wobei wir von unserer Bank einen guten Blick auf die Golfanlage sowie das Schloß hatten.

Nach einer guten halben Stunde gingen wir weiter, und ehrlich gesagt hat es mich schon gewundert, daß mir dieses Weitergehen angesichts des lockenden Golfplatzes so leicht fiel. Wieso das so war, weiß ich nicht. Auf alle Fälle werde ich die nächsten Tage wohl einiges zum Nachdenken haben...

35. Etappe: Märchenstunde

Von Bad Münder nach Hameln
Eine recht kurze, aber von zwei knackigen Anstiegen durchsetzte Strecke stand heute von Bad Münder nach Hameln auf unserem Programm.

Zunächst erklommen wir nach dem gestrigen Deister nun unser zweites Mittelgebirge, den Süntel. Oben erwartet einen ein Aussichtsturm, welcher mit den einladenden Schildern versehen ist: "Besteigen auf eigene Gefahr" sowie "Erwachsene 50 Cent, Kinder 25 Cent".

Der nächste Berg trägt den malerischen Namen "Schweineberg" und soll einen wohl vorsichtig auf die nur wenige Kilometer weiter vorherrschende Rattenplage vorbereiten. Denn was einen in Hameln an Rattigem erwartet, wird in vielen Deutschen Großstädten zu Weihnachten nicht vom Weihnachtsmann erreicht.

Jeder Betrieb in Hameln hat Ratten - entweder im Logo, oder in der Werbung, oder als Deko auf der Speisekarte - man kann nur hoffen, daß die nervigen Nager nicht auch in der Küche auftauchen.

Was würde Hameln wohl ohne die Geschichte der Brüder Grimm heute machen? Niemand würde Hameln kennen. Kein berühmter Sportclub, keine Autobahn, nix. Aber daß man diese Rattenhuldigung dermaßen übertreiben muß, ist schon ziemlich nervig.

Hoffentlich traut sich irgendwann mal ein Gastronom, an seine Türe zu schreiben: "Garantiert rattenfreie Zone!"

Gerne wären wir seine ersten Gäste.

34. Etappe: Angriff des Killereichhörnchens

Von Bad Nenndorf nach Bad Münder
Nach 33 mehr oder weniger flachen Etappen hatten wir heute mit 600 Höhenmetern unsere erste Bergwertungsprüfung zu bestehen. 28 km von Bad Nenndorf über den Deister nach Bad Münder galt es zu bewältigen.

Allerdings stellten sich uns so einige Hindernisse in den Weg. Zunächst verliefen wir uns am zweiten Rasthaus, welches bereits nach einer guten Stunde auftauchte. Da die Wegmarkierung dort fehlte, mußten wir zweimal zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren, um endlich wieder den "Pfad der Tugend" zu finden. Zeitverlust durchs Umherirren: eine knappe Stunde.

Auf dem Weg zum Nordmannsturm passierte dann das schier Unfassbare. Wir hörten es in den Bäumen über uns rascheln und toben, und ehe wir nach oben schauen konnten, schoß ein Eichhörnchen nur wenige Zentimeter an meinem Kopf vorbei, landete direkt vor meinen Füßen und machte sich auf dem nächsten Baum auf und davon. Als Golfspieler ist man ja durch die Sportart an sich darauf vorbereitet, daß einen unerwartet ein Ball treffen kann. Für gewöhnlich schickt der Absender eines solchen Balles den Warnruf "Fore" seinem Geschoß hinterher.

Nicht so das hinterhältige Eichhörnchen. Ohne Vorwarnung attackierte es uns durch gezieltes Herabstürzen vom Baum aus, und es wäre für uns sicherlich schmerzlich gewesen, hätte es einen von uns erwischt.

Nachdem wir dieses schreckliche Attentat unverletzt überstanden hatten, stellte sich uns nur noch ein Phänomen in den Weg, nämlich die nach Knoblauch duftenden (oder stinkenden) Bärlauchpflanzen, welche man gleich feldweise im Deister bestaunen bzw. erschnuppern kann. Spaghetti aglio olio sind nix dagegen.

Aber auch diese Hürde konnten wir meistern, und so erreichten wir müde und erschöpft gegen Abend den mit reichlich Fachwerkhäusern gesegneten Kurort Bad Münder.