Samstag, 28. Mai 2005

40. Etappe: Blankenrode

Von Herbram-Wald nach Blankenrode
Unsere mittlerweile vierzigste Etappe sollte uns nach Blankenrode im Eggegebirge führen.

Da die wenigsten diesen Mittelgebirgsort kennen werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie man sich Blankenrode vorzustellen hat.

Nun, jeder kennt ja die verschiedensten Orte, große, kleine, hübsche, häßliche, alte, neue, freundliche und abweisende.

Blankenrode ist vollkommen anders, es läßt sich in keine festen Kategorien pressen, es ist einfach viel zu vielfältig dafür.

Das alte Blankenrode, welches heute gar nicht mehr existiert, liegt ca. 2 km vor dem heutigen Ort und wurde 1390 bei einem bösen Überfall verwüstet und entvölkert. Das neue Blankenrode ist noch bevölkert, und es spielen sogar noch Kinder dort, und zwar auf offener Straße das schöne alte Spiel namens Völkerball.

Gastronomisch ist Blankenrode zumindest scheintot. Das einzige Hotel am Ort, welches auch das einzige Restaurant darstellen soll, wollte uns an einem Freitagabend partout nicht bewirten, und das mit der durchaus originellen Begründung, es sei Montag, und montags sei Ruhetag.

So zogen wir weiter und betraten um 19 Uhr das örtliche Cafe, ohne allerdings viel Hoffnung auf gute Bewirtung zu haben, da Cafes sich ja hauptsächlich auf den kuchenessenden Nachmittagsgast spezialisieren.

Dort aber wurde Gastfreundschaft noch groß geschrieben! Obwohl die betreibende Familie schon beim Abendessen saß und sozusagen Feierabend hatte, bekamen wir schnellstens ein kühles Bier nebst riesiger Schinkenbrotplatte, und anschließend ein gigantisches gemischtes Eis mit Sahne.

Wir waren begeistert und können Blankenrode als echten Geheimtipp für Leute, die auch mal das etwas andere erleben möchten, vorbehaltlos empfehlen.

Scheintote leben eben länger.

39. Etappe: Essellka

Von Altenbeken nach Herbram-Wald
Vom leicht verschlafenen, aber durchaus sympatischen Altenbeken an der Beke führte uns der E1, welcher hier auch Eggeweg heißt, ins wirklich verschlafene, aber ebenso sympatische Dorf Herbram-Wald, welches seine bescheidene und abgeschiedene Existenz wohl hauptsächlich der dort verlaufenden Eisenbahntrasse verdankt. Da diese Trasse jedoch in den vergangenen Jahren rückgebaut wurde, und somit die Züge ausblieben, hat sich die ortsansässige Hoteleriebranche auf eine neue Zielgruppe eingeschossen.

Als wir jedenfalls die Herbram-Walder Eisenbahnbrücke, die nunmehr über keinen Schienenstrang mehr führt, überquert hatten und auf unser Hoteldomizil zusteuerten, standen dort in Reih und Glied nach preußischer Akkuratesse geparkt ca. 10 - 15 Fahrzeuge der Karosserieschmiede Daimler Chrysler, welche allesamt auf den Namen "Essellka" zu hören schienen.

Alle waren sie silber lackiert, bis auf den des Häuptlings, denn der war rot. Hier fand also kein Treffen der "anonymen Alkoholiker" statt, sondern eine Zusammenkunft der "bekennenden Zweisitzer-mit-Stern-Fahrer".

Der Körperumfang der meisten Vereinsmitglieder ließ erahnen, daß es sich hier um einen echten "Lustclub" mit ausschließlich geselligem Charakter handelte. Es muß eben nicht immer der Sportverein sein!

Wir jedenfalls freuten uns über diese glücklichen und sehr freundlichen Autofreaks, die bis spät in den Abend auf der Terrasse saßen und über ihre "Essellkas" fachsimpelten, taten sie doch genau das, was sie wohl gerne taten.

Und so gingen wir in aller Frühe am kommenden Morgen weiter unseres Weges, da wir eben gerne wandern.