Dienstag, 31. Mai 2005

43. Etappe: In den Wolken

Von Rattlar nach Winterberg
Drei Tage mit Temperaturen über 30 Grad, und dann nach nächtlichem Berggewitter ein Wandertag bei 6 bis 11 Grad - momentan ist das richtiger Extremsport.

Noch gestern war das Tragen eines Pullover nahezu unvorstellbar, doch heute wurde es schneller wahr als uns lieb sein konnte. Lange Hosen und Fleecejacke leisteten bei unserer Wanderung "in den Wolken" ganze Arbeit. Gerne wären wir auf Reinhard Meys Spuren "über den Wolken" gewandert, aber dafür waren die Berge rund um Willingen mit ihren rund 700 Metern doch noch zu niedrig.

So ein kompletter Tag im Nebel hat aber auch seine Vorteile: der Sonnenbrand, der sich in den vergangenen Tagen trotz reichlichen Eincremens nicht vermeiden ließ, konnte weitgehend kuriert werden. Des weiteren ist man fast allein im Wald und erwartet gespannt das jederzeit mögliche Auftauchen von Wildtieren.

Und solange es nicht regnet, ist ein Wanderer fast immer zufrieden!

42. Etappe: Halbzeit

Von Obermarsberg nach Rattlar
Nun sind wir in sechs Wochen 42 Etappen gewandert, und waren überrascht festzustellen, daß wir die Hälfte unserer E1-Strecke bis Konstanz schon hinter uns haben.

Insgesamt haben wir 907 km per pedes hinter uns gebracht, und allen Unkenrufen zum Trotz sind unsere Füße noch nicht verfault. Kann aber noch kommen...

Die Halbzeit haben wir im bemerkenswert schönen Rattlar, unserem bisher höchsten Etappenziel mit knapp 600 m ü. NN, gefeiert. Rattlar liegt übrigens im sogenannten Upland, dem Dach des hessischen Sauerlandes, kurz vor Willingen. Nächste Woche findet hier auf dem Uplandsteig, den wir heute zum Teil kennenlernen durften, ein Marathon statt. Tolle Aussicht und ein paar ordentliche Steigungen werden garantiert! Vielleicht hat ja der ein oder andere Leser dieser Zeilen jetzt ein leichtes Jucken im Fuß...

Wir werden jedoch nicht zum jetzigen Zeitpunkt ins Marathonlager wechseln, denn schließlich wartet auf uns noch die zweite Hälfte auf dem Weg zum Bodensee, und noch der nette kleine Abstecher nach Wien.

Schaun mer mal!

41. Etappe: Heiß

Von Blankenrode nach Obermarsberg
Es sollte der heißeste Tag des Jahres werden, an dem wir uns vom außergewöhnlichen Blankenrode über die Zwillingsstadt Marsberg - bestehend aus Nieder- und Obermarsberg - ins Örtchen Giershagen quälten.

Auf unserem mitgeführten Thermometer wurden uns 35 Grad im Schatten angezeigt. Unser Marschtempo wurde stetig langsamer, so daß wir für 19 km immerhin 9 Bruttostunden benötigten.

Die kühlsten Stellen unseres Tagestrips waren der vollklimatisierte Supermarkt, in welchem wir am liebsten bis weit nach Ladenschluß a la Al Bundy verharrt hätten, sowie eine Felsspalte neben den Marsberger Drakenhöhlen, die permanent 15 Grad kühle Luft nach außen strömen lässt.

Ansonsten war es heiß, verdammt heiß, superheiß, viel zu heiß - heiß eben!

Es war so heiß, daß die Kneipe, in der wir zu Abend aßen, bereits um 19 Uhr sämtliche Rolladen herunterließ, obwohl draußen noch prima Sonnenschein herrschte.

Und einige Schalke-Fans, die sich in ebendieser Kneipe das Pokalendspiel zu Gemüte führen wollten, rissen sich zu heißblütigen Tipps zugunsten ihres Lieblingsvereins hin. Das hätten sie bei 10 Grad und kühlem Kopf sicher nicht getan.

Gutes Wetter ist sicherlich die halbe Miete beim Wandern, aber übertreiben muß man ja nicht...