Mittwoch, 1. Juni 2005

45. Etappe: Graffiti und Bergmolche

Von Oberkirchen nach Bad Berleburg
Heute wanderten wir von Oberkirchen nach Bad Berleburg unter anderem auf dem "Weg der Sinne". Hier kann man Kunstwerke zwischen Bäumen und Wäldern direkt am Wegesrand bestaunen. Meistens wird man hierbei von wunderbar geschwungenen "Waldsofas" unterstützt, welche einem eine gemütliche Körperhaltung zum bequemen Sinnieren über den Sinn des jeweiligen Kunstwerks ermöglichen.

Das letzte Kunstbauwerk ist noch nicht ganz fertiggestellt. Es handelt sich - soviel ist schon jetzt erkennbar - um ein Haus, aus welchem drei ausgewachsene Fichten herausragen. Diesen drei Fichten wurde hierzu eine Lücke im Dach gelassen, zur freien Entfaltung sozusagen. Das ganze Haus ist momentan noch komplett weiß. Es schreit sozusagen nach Farbe, nach viel Farbe, nach bunter Farbe. Anscheinend ist in den letzten Wochen kein wandernder Graffiti-Künstler den "Weg der Sinne" gegangen - er hätte sicherlich seine Freude an dieser makellos weißen Arbeitsfläche gehabt!

Neben der Kunst konnten wir auch das ein oder andere Kleinod der Natur genießen. Besonders angetan waren wir von einem kleinen Gewässer, welches vor einigen Jahren durch ein Holzrückfahrzeug bzw. Trecker und dessen dicke Reifenspuren modelliert wurde. Diese Fahrzeugspur hatte sich mittlerweile zu einem blühenden Kleinbiotop entwickelt. In ihm schwammen an die 50 Bergmolche, die sich im Licht der wärmenden Sonne sichtlich wohlfühlten.

Hoffentlich wird hier in den kommenden Jahren kein Holz gerückt!

44. Etappe: Woll

Von Winterberg-Silbach nach Oberkirchen
Die Nordhälfte Deutschlands liegt nun hinter uns. Zumindest gibt es zwei ziemlich eindeutige Anzeichen, die diese Annahme bestätigen.

Zunächst einmal ist da der Kahle Asten, der berühmteste Berg des Sauerlandes und somit auch der höchste Berg Hollands. Denn was dem Allemannen sein Mallorca, das ist dem Niederländer sein Hochsauerland.

Und da wir uns südlich dieses imposanten Berges befinden, werden wir uns wohl in Süddeutschland befinden, woll.

Tja, der aufmerksame Leser wird es sofort erkannt haben, dieses todsichere Zeichen für das Betreten des Siegerlandes, welches ja ganz klar zu Süddeutschland gehört, nämlich den kleinen aber gewaltigen Wortfetzen "Woll", welchen der Siegerländer ans Ende eines beinahe jeden Satzes hängt. Der Zweck dieses Appendix ist nicht wirklich bekannt, irgendwie ähnlich wie beim Blinddarm, denn wofür der gut ist, weiß ich auch nicht.

Heute Abend hatten wir beim Belauschen der Ureinwohner die Möglichkeit, uns vom Zauber dieses "Wolls" fangen und vereinnahmen zu lassen. Bei Nele scheint es auch schon gewirkt zu haben: ihre Finger krampften sich beim Gebrauch des Wortes mit den vier Buchstaben heftigst zusammen, was zur Folge hatte, daß unser Abendessen recht lange dauerte.

Naja, wir werden es wohl überleben, auch wenn dieser Akustikzustand uns noch einige Etappen erhalten bleiben wird. Aber mit genügend Bier kann man sich sicherlich auch einen Dialekt schöntrinken...

Woll bekomms!