Montag, 6. Juni 2005

49. Etappe: Miraculix

Von Siegen nach Herdorf
Schon auf unserer 38. Etappe fanden wir deutliche Hinweise dafür vor, daß das berühmte "gallische Dorf" aus den Asterix-Comics nicht in Frankreich, sondern in Deutschland liegen muß.

Und auch heute gab es wieder ein überzeugendes Argument für diese These, und zwar in Form des Druidensteins, gelegen direkt am E1 zwischen Siegen und Herdorf. Denn der einzige Druide, den ich kenne, ist Miraculix aus den Asterixgeschichten. Das ist der, der immer trotz seines biblischen Alters in den Baumkronen auf der Suche nach Mistelzweigen umherkraxelt, aus denen er alsdann alle möglichen Zaubertränke braut.

Wir sind also zu Miraculix´ Stein gepilgert, und hatten die Stille Hoffnung, dort das ein oder andere Elixir abzustauben. Natürlich war uns klar, daß diese wertvollen Tropfen nicht einfach so am Druidenstein herumstehen. Nein, wir mußten schon danach suchen, und tatsächlich, es gibt sie, wir haben es mit eigenen Augen gesehen!

Denn nur 30 Meter neben dem Druidenstein war eine kleine Hütte, in der zwei ältere Waldmenschen saßen. Zur Tarnung verkauften sie uns zwei Eis am Stiel, aber wir ließen uns nicht täuschen. Kaum hatten wir uns ein wenig von den beiden abgewendet, holte der eine mehrere kleine Elixierfläschchen mit dem Schriftzug "Wodka Feige" heraus, und ruckzuck waren alle leergetrunken. Resultat: Beide sprachen mit einem Mal eine vollkommen neue Sprache, die interessanterweise aus ungewöhnlich vielen Lall-Lauten bestand. Man sah sofort: Dieser Trunk wirkt!

Leider waren dies die letzten vorrätigen Flaschen. Und da wir nicht wußten, ob Miraculix heute noch auftauchen würde, um Nachschub anzurühren, zogen wir traurigen Herzens weiter in Richtung unseres ersten Domizils im schönen sagenumwobenen Westerwald.

48. Etappe: Fridolin

Von Netphen-Lahnhof nach Siegen
Fridolin heißt der Hund von Bine, Dorli und Nele, und auf dem heutigen Teilstück vom Lahnhof nach Siegen war er mitsamt seiner drei Frauchen dabei. Wie hat er wohl den heutigen Tag empfunden? Vielleicht ja so:

"Liebes Tagebuch, heute war ein anstrengender und aufregender Tag. Schon um 6 Uhr wurde ich geweckt und sehr bald in unser Auto gezerrt. Nach 2 Stunden durfte ich wieder raus, mußte aber dann in ein anderes, gelbes Auto mit so einem komischen Leuchtschild drauf. Der Fahrer war wohl betrunken, jedenfalls ist er dauernd Kurven gefahren und mir wurde übel. Nach einer halben Stunde war die Fahrt zum Glück zu Ende, und nach sieben Wochen konnte ich meine Drittelchefin Nele endlich wieder anspringen. Mann, hat die sich gefreut!

Bald darauf sind wir alle losmarschiert zu einem kleinen Tümpel mit ganz ganz sauberem Wasser, das alle Lahnquelle nannten. Komisches Wort für Wasser. Naja, auf alle Fälle wars lecker und prima erfrischend.

Die Wanderung war sehr lange und anstrengend, vor allem weil man als Hund ja immer die doppelte Strecke rennen muss. Schließlich trägt man ja Verantwortung und muss sämtliche Wegstücke, auf denen die Frauchen zu wandern gedenken, erst einmal vorabinspizieren. Und so mußte ich statt der 19 km mindestens 38 km absolvieren.

Bin mal gespannt auf den Muskelkater.

Nach dem Marsch habe ich dann zur Belohnung ein großen Napf mit Wasser bekommen. Das Lahnwasser war aber leckerer!

Und abends beim Chinesen war ich so müde, daß ich sofort eingeschlafen bin und von den ganzen aufregenden Gerüchen dieses schönen Wandertages geträumt habe. Und im Traum hab ich den Hasen sogar erwischt!"

47. Etappe: Tausend

Von Bad Laasphe nach Netphen-Lahnhof
Gestern kamen wir an einer Wiese vorbei, auf der Kühe mit Kuhglocken uns zujubelten. Heute wäre dies deutlich passender gewesen, da wir nun stolze 1000 Kilometer auf unserer Wanderung von Flensburg nach Wien vorweisen können. Kurz vor Ende der heutigen Etappe auf dem im Rothaargebirge direkt neben der Lahnquelle gelegenen Lahnhof konnten wir uns zu den ersten "Tausend" gratulieren.

Nele meinte, es sei doch seltsam, daß man sowohl beim ersten, als auch beim 1000ten Kilometer keine Schmerzen hat. Gut daß wir hier nicht allzu ausführlich über die dazwischen liegenden Strecken reden...

Wir haben unseren Zwischenerfolg heute Abend mit einem kleinen Piccolöchen gefeiert und können nun aus eigener Erfahrung bestätigen, was andere E1-Wanderer, die sich hier im Lahnhof reichlich ins Gästebuch eingetragen haben, behaupten: Der E1 ist ein toller Wanderweg, und man kann jedem nur empfehlen, ihn irgendwann einmal zu bewandern. Wer Deutschland kennenlernen möchte, ist hier genau richtig!

46. Etappe: Frischlinge

Von Bad Berleburg nach Bad Laasphe
Vom ersten Tag der Wanderung an stand auf unserer ToDo-Liste der Punkt "Tierbeobachtung" ganz oben. Und einiges an Tieren hat sich mitunter blicken lassen: Rehe, Hasen, Eichhörnchen, Ringelnattern, Blindschleichen, Schmetterlinge, Bergmolche und viele mehr.

Oft kam jedoch die Frage auf: Wann sehen wir die ersten Wildschweine? Denn auf den bisher 45 Etappen bis Bad Berleburg hielten sich die Schwarzkittel dezent versteckt. Wir schauten uns die Augen blutig, doch die Schweine blieben unsichtbar. Es wurde geradezu ein "running gag" den Wandertag mit einem hoffnungsfrohen "Und heute sehen wir bestimmt Wildschweine" zu beginnen.

Tja, und was soll man sagen: die Hoffnung stirbt zuletzt! Heute sahen wir unsere ersten Wildschweine, und zwar zwei kleine hutzelige Frischlinge, die auf einer kleinen Waldlichtung am Wegesrand nach Essbarem fahndeten. Sie waren so konzentriert, daß sie uns trotz der lediglich 30 Meter Abstand nicht wahrnahmen.

Nach 15 Minuten spannender Beobachtung gingen wir weiter und ließen den beiden Rackern ihr Territorium.

Fröhlich über unser gehabtes "Schwein" erreichten wir das schöne Kurstädtchen Bad Laasphe, in welchem das besonders leckere Bosch-Pils gebraut wird, welches wir abends zusammen mit Familie Allmüller reichlichst verköstigten. Import ins Rheinland nicht ausgeschlossen!