Mittwoch, 8. Juni 2005

51. Etappe: Raser

Von Willingen nach Nistertal
Der E1 führte uns heute von der Fuchskaute nach Nistertal, beides im schönen Westerwald gelegen. Zumeist bemühte sich die Wegführung um Idylle. So gingen wir durch dunkle Wälder und über enge Wanderpfade, und sahen sogar in einer bunten Blumenwiese eine Bache, und das am hellichten Tag so zwischen zwölf und halb eins.

Manchmal mussten wir aber auch Teilstücke auf Kreis- oder Landstraßen in Kauf nehmen, was in der Regel recht wenig Spaß macht.

Zugegeben, nach sieben Wochen ohne Auto und einem Durchschnittstempo von ca. 4 Stundenkilometern sind wir ziemlich entschleunigt und tiefenentspannt (zumindest bilden wir uns das ein ...). Aber wenn man so auf Deutschen Straßen am linken Fahrbahnrand entlangwandert, dann fragt man sich schon, wer es allen Ernstes so eilig haben kann wie einige tiefergelegte und mit Flammendekor versehene Zeitgenossen. Da wird an den unsinnigsten Stellen im zweiten Gang auf 100 km/h beschleunigt, um nur wenige Meter weiter wieder vehement herunterzubremsen. Ein sportliche Herausforderung für einige dieser Hobbyschumis scheint das möglichst nahe passieren von Wanderern mit höchster Geschwindigkeit zu sein. Teilweise könnte man seine Fingernägel vom Lack dieser Boliden polieren lassen, würde man seine Fingerspitzen nur ein wenig vom Körper abspreitzen. Ein Wanderkollege berichtete uns, daß er bei Regen mit seinem geöffneten Schirm eine Landstraße entlangging, und dieser Schirm ihm von einem vorbeifahrenden Fahrzeug weggerissen wurde. Und das Beste: der Fahrer hat den Schirm nicht mal zurückgegeben!

Nun denn, trotz diverser Attacken haben wir auch den heutigen Tag ohne wesentliche Verletzungen überstanden. Dennoch wäre ich froh, wenn wir unsere Route Morgen zumeist im Wald verbrächten, und alle, die uns begegneten, Tempo 5 nicht überschritten.

50. Etappe: SPD

Von Herdorf nach Willingen
Heute war unsere 50. Wanderung, und zwar von Herdorf zum höchsten Berg des Westerwaldes, der Fuchskaute. Wir haben in diesen 50 Tagen vieles gesehen, zum Teil auch wirkliche Raritäten. Da waren zum Beispiel Naturdenkmäler wie die Externsteine oder der Druidenstein. Oder von Menschenhand geschaffene Unikate wie die Driving Range von Haithabu oder die Kunstwerke auf dem "Weg der Sinne". Nicht zu vergessen natürlich die Beobachtung selten anzuschauender Tierarten wie Wildschweine oder Bergmolche.

Heute jedoch haben wir ein wirklich ganz besonders seltenes Lebewesen erlebt, eine echte Rarität sozusagen. Nein, es war weder das Schnabeltier noch der Quastenflosser, die unseren Weg kreuzten. Es war, und das muß man sich in der heutigen Zeit einmal vorstellen, das selten gewordene Exemplar eines bekennenden SPD-Wählers!

Er wanderte durch den Regen und fand genau in der Hütte unterschlupf, in der auch wir pausierten. Wir kamen ins Gespräch, und als wir uns dann als Krefelder outeten, kommentierte er dies mit den Worten, daß wir aufgrund der NRW-SPD-Wahlniederlage unmittelbar verantwortlich für den nun zu erwartenden Regierungswechsel auf Bundesebene und alle damit verbundenen negativen Folgen seien. Er jammerte darüber, daß seine Rente, die ja jetzt schon zu niedrig sei. dann weiter gekürzt würde. Und das, obwohl er 46 Jahre geklebt und drei Kinder "in Lohn und Brot" hätte. Tragisch.

Naja, wir haben ihm dann einen Keks angeboten, den er auch dankend annahm und alsgleich verspeiste. Hoffentlich ist er nun nicht mehr sauer auf uns. Wo wir doch aus NRW kommen...

Und nun noch ein kurzer Gruß an den netten Obstverkäufer aus Herdorf: Dein Obst hat uns diesen regenreichen Tag gut überstehen lassen. Danke und viele Grüße!