Dienstag, 14. Juni 2005

57. Etappe: Der Berg ruft

Von Hennethal nach Glashütten
Seit Tagen, genau genommen seit wir aus dem Wald oberhalb von Welschneudorf traten, laufen wir diesem Berg hinterher. Er ist der höchste Berg des Taunus und trägt den zurückhaltenden Namen "Großer Feldberg". Interessanterweise werden wir in einigen Wochen, so es unsere Gesundheit erlaubt, auf dem knapp doppelt so hohen Feldberg im Schwarzwald stehen und uns wohl zu Recht die Frage stellen, was denn bitteschön das "Große" am "Großen Feldberg" gewesen sein soll.

Andererseits ist der Schwarzwälder Feldberg ein Berg unter Vielen, d.h. er sticht nicht sonderlich heraus unter seinen Schwarzwälder Bergkollegen. Der Taunus-Feldberg hingegen ist wirklich weit und breit die absolut höchste Erhebung, und es spricht für die Bescheidenheit der Hessen, daß sie ihn nicht mit den Adjektiven "gigantisch", "kolossal" oder "majestätisch" bei der Namensgebung geschmückt haben.

Auf alle Fälle haben wir in den letzten Tagen genügend Respekt tanken können, so daß wir heute unser Basislager im ca. 400 m unterhalb des Gipfels gelegenen Ort Glashütten aufgeschlagen haben. Dies zeigt, wie ernst wir der Herausforderung "Großer Feldberg" begegnen. Des weiteren haben wir im Anschluß an die morgige Besteigungsetappe zwei Ruhetage einkalkuliert, an denen wir wieder zu Kräften kommen wollen.

In diesem Sinne: "Wie schallt´s von der Höh? - Hollereidulliöh!"

56. Etappe: Zecken, Bremsen und Gullys

Von Balduinstein nach Hennethal
Zunächst wurden wir überrascht, als auf dem Nachbarbalkon eine asiatische Schönheit den Sonnenaufgang an der Lahn mit einigen ästhetisch wertvollen Yoga- und Thai-Chi-Übungen begrüßte. Beim Frühstück dann die nächste positive Erstaunlichkeit: neben Brötchen, Eiern und Müsli wurden uns auch kulinarische Besonderheiten wie Lachs, Krabbencocktail und Rote Grütze kredenzt. Spontan passten wir unsere Eßgewohnheiten der neuen Angebotsstruktur an und erhöhten die Nachfrage bis an die Dehnbarkeitsgrenze unserer Mägen.

So ausgestattet mußten wir direkt zu Beginn dieser Etappe von Balduinstein nach Hennethal 300 Höhenmeter erklimmen. Vielleicht hätten wir uns beim Frühstück ein wenig zurückgehalten, wenn uns dies vorher klar gewesen wäre. Hinterher weiß man immer mehr...

Am frühen Nachmittag ging der Weg in einen Wiesenpfad über, an dessen Ende wir unsere Hosen und Waderln auf Zecken inspizierten. Bilanz: Nele 10, Philipp 6. Allerdings hatte sich noch keine festgebissen.

Wenige Kilometer weiter tauchte dann unsere erste Tourbremse auf, aber auch dieser konnten wir noch gerade rechtzeitig den Garaus machen. Wir mögen ja Tiere, aber ehrlich gesagt sind uns Rehe und Bergmolche deutlich sympatischer als Zecken und Bremsen.

In Michelbach machten wir Bekanntschaft mit dem riesigen Passavant-Werk. Hört sich an, als würden hier Automischlinge von VW und Audi produziert, tatsächlich werden aber nur Gullydeckel gefertigt, und die liegen dann überall auf Deutschlands Straßen herum und tragen am Rand den interessanten Werksnamen. Und obwohl Sonntag war, konnten wir den E1-Markierungen mitten durchs Werk problemlos folgen. Eine wirklich sehr unkomplizierte Werksführung.