Sonntag, 19. Juni 2005

60. Etappe: Stadtwaldlärm

Von Mainz nach Dreieich-Dreieichenhain
Heute sollte es vom Frankfurter Äppelwoi-Stadtteil Sachsenhausen ins historische Dreieichenhain gehen. Auf diesem Weg durchquert man den Frankfurter Stadtwald, welcher mit über 6000 Hektar königliche Ausmaße besitzt. Man sollte meinen, daß ein solch riesiger Wald in unmittelbarer Stadtnähe sehr viele Erholungsbedürftige auf den Jogging-, Walking- oder Spaziergehingplan rufen dürfte. Doch weit gefehlt: dieser Wald ist beinahe menschenleer! Denn ihm fehlt ein kleines aber wichtiges Walddetail, nämlich Ruhe. Wir haben einmal den Abstand der über uns fliegenden Flugzeuge, die auf die nur wenig entfernte Landebahn des Fraports zusteuerten, gestoppt, und kamen auf Zwischenräume von 58 bis 62 Sekunden, was uns aus Sicherheitssicht ziemlich bedenklich vorkam.

Auf alle Fälle war es nervtötend laut. Kurz darauf überquert man die Bundesautobahn A3, welche auch durch den Stadtwald führt. Dort schaffen es neun (!!!) Fahrspuren, kurzfristig sogar den Fluglärm zu übertönen.

Wir haben diesen Lärm wahrlich genossen, ahnten wir doch, daß es von hier an nur besser werden kann, und daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

59. Etappe: Weißwurstäquator

Wer Frankfurt von Norden nach Süden durchwandert, erwartet häßliche Mietshäuser und laute Straßen, gemischt mit einem Berg an Kriminalität. Wir können diese Vorurteile, zumindest was die Wegführung des E1 angeht, nicht bestätigen. Zunächst nähert man sich unterhalb des Taunus über weite Felder bei grandioser Aussicht "Mainhatten". Sobald es in die Wohngegenden geht, wird man in grünen Parks durch die Häuserblocks geführt, wobei einem gerade die Sauberkeit dieser Anlagen auffällt. Später wandert man an der Nidda, einem kleinen Nebenfluß des Mains, entlang und passiert dabei den Grüngürtel. Und ehe man es erwartet hat, steht man vor den hohen Bürotürmen, welche Frankfurt eine beinahe amerikanische Skyline verleihen.

Direkt dahinter verläuft der "Weißwurstäquator", der die Grenze zwischen Südschweden, auch Preußen genannt, und dem Freistaat Bayern markiert, nämlich der Main. So jedenfalls wurde mir die Bedeutung dieses Flusses während meiner Bundeswehrzeit in Oberbayern erklärt. Ob das alles so stimmt, wage ich mittlerweile zu bezweifeln, da nirgendwo Grenzposten zu sehen waren. Oder hat Bayern inzwischen das Schengener Abkommen unterzeichnet?

Wir werden versuchen, diese Frage zu beantworten, sobald wir Kontakt zu eingeborenen Oberbayern hergestellt haben.