Donnerstag, 7. Juli 2005

77. Etappe: Rheumadecken

Unsere Nachtruhestätte hätte einen Ehrenplatz bei Dalli-Dalli erhalten können. Damals fragte Hans Rosenthal seine Kandidaten, welche Gegenstände in diesem Raum nach den 60er Jahren eingebaut worden seien. Wir haben gestern Abend dieses Spiel ausprobiert und konnten leider nur den 80er Jahre Heizungsregler entdecken. Alles andere war original 1965 und älter, und wer mal eine Nostalgie- oder Zeitreise machen möchte, dem sei dieses Haus wärmstens ans Herz gelegt.

Aber nicht nur Zeitsprungexperten kommen auf ihre Kosten, auch die Freunde der gepflegten Rheumadecke sind hier gut aufgehoben. Gleich busweise werden hier potentielle Käufer aus aller Herren Bundesländer angekarrt, und keiner muß befürchten, er komme ohne Rheumadecke wieder heim. Früher, in den Kindertagen dieser Kaffeefahrten, gab es einen Vorturner, der sowohl den Marktschreier, als auch den Kassierer mimte. Heute ist das alles deutlich professioneller organisiert.
Zwei attraktive und in schicken Kostümen aufgebrezelte Blondinen bedienen abwechselnd die Power-Point-Präsentation sowie die Kasse. Dritte Kraft im Bunde ist dann noch der zwei mal einen Meter Große bzw. Breite Bodyguard, welcher zum einen die beiden Mädels beschützt, zum anderen aber auch allzu kritischen Veranstaltungsteilnehmern meinungsbildend zur Seite steht. Beispiel:

Teilnehmer: "Die Rheumadecke gibts beim Aldi für die Hälfte!"

Bodyguard (stehend und von oben herab): "Und trotzdem bin ich mir sicher, daß gerade Sie hier zwei Decken kaufen werden, nicht wahr..."

Das ist modernes Marketing, da wird dem Kunden die Entscheidung wirklich leicht gemacht!

Naja, schweren Herzens sind wir dann trotzdem weitergewandert, und auch ohne Rheumadecke haben wir unser Tagesziel Titisee wohlbehalten erreicht.

76. Etappe: Uhren

Im Deutschen Uhrenmuseum zu Furtwangen gibt es die verschiedensten Zeitmesser zu bestaunen: Sonnenuhren, Sanduhren, mechanische Uhren, elektrische Uhren, Quarzuhren, Funkuhren sowie Atomuhren. Weiterhin sind Spezialitäten wie Kerzenuhren, Kuckucksuhren, Wecker und die sehr erfolgreichen Armbanduhren ausgestellt.

Höhepunkt allerdings ist die nach ihrem Erbauer benannte Hans-Lang-Uhr. Diese Uhr kann einfach alles, außer vielleicht abwaschen und `nen Knopf annähen. Sie besteht aus fünf Segmenten, ist 3 Meter breit und 1 Meter hoch, und sie zeigt unter anderem ein Tellurium, die Stellung unserer Nachbarplaneten Venus und Mars, die Ortszeit von Greenwich, die mitteleuropäische Zeit, die Wahre Ortszeit von Furtwangen, den Himmelsglobus, das Mondalter sowie den Gregorianischen und Weltkalender. Herr Lang hat für die Erstellung dieser Super-Uhr 8200 Arbeitsstunden investiert.

In dieser Zeit hätte er auch, wenn man unsere WDG (Wanderdurchschnittsgeschwindigkeit, siehe auch Andrack, Manuel; Du musst wandern; 2005) von 4 km/h zugrunde legt, die Strecke Flensburg - Wien mehr als fünfmal hin- und zurück durchschreiten können. Bei unserer Wanderjahresgeschwindigkeit von 6000 km wären das über 5 Jahre.

Anscheinend muss man ganz schön schuften, um einen ordentlichen Platz im Deutschen Uhrenmuseum zu ergattern. Herr Lang jedenfalls hat sich diesen Platz redlich verdient!