Nach nunmehr genau 12 Wanderwochen sind wir zu wahren Hotel- bzw. Pensionsfachleuten avanciert. Zwischen Flensburg und Blumberg haben wir so ziemlich jede Übernachtungsstilblüte erlebt, die sich denken läßt.
In Bad Laasphe erlebten wir die sonst nur auf Opel-Ascona-Ablagen gebräuchliche handgehäkelte Klopapierrollenabdeckung. In Furtwangen wurden wir mittels Zeitsprung in die 60er Jahre befördert. In verschiedensten Jugendherbergen wurden wir angehalten, das selbständige Bettbeziehen nicht zu verlernen. In Bad Schwartau erlebten wir, daß Ferienwohnungen für 2 Personen ungeheizt und mit unbequemen Schlafsofas ausgestattet schon mal 60 EUR die Nacht kosten können. Dafür gab es in Oeversee eine Riesenferienwohnung mit großem Fernseher und allem möglichen Luxus inklusive Frühstücksei für sehr moderate 35 EUR .
In Dreieichenhain übernachteten wir auf einem Reiterhof, der komplett mit Fliegengittern versiegelt war. Und in Balduinstein gab es sogar Krabbencocktail und Lachs zum Frühstück.
Heute jedoch haben wir doch noch etwas Neues entdeckt, nämlich den Wanderertarif. Den gibt es nur im Hotel Hirschen in Blumberg, und er besagt, daß Wanderer, die zu Fuß das Hotel erreichen, lediglich 25 EUR pro Person und nicht wie Normalsterbliche 32 EUR pro Person zahlen.
Eine gelungene Überraschung, und das an einem Tag, der vor lauter Wanderei einfach nicht enden wollte.
nele und philipp - 12. Jul, 14:05
Schon mal was von einem schizophrenen Fluß gehört? Wir auch nicht, bis wir heute durch die in Europa einzigartige Wutachschlucht wanderten. Hier versammeln sich auf engstem Raum 1200 Pflanzenarten, 570 Schmetterlingsarten und über 1200 Vogelarten. Und tatsächlich, wenn man entlang der teilweise 80 Meter hohen Steilwände zum Flußufer hinabgestiegen ist, hat man wirklich das Gefühl, in einer dschungelartigen Welt gelandet zu sein. Ein Berggorilla würde sich hier sicher wohlfühlen.
Warum ist ein so malerischer Fluß dann schizophren?
Nun, dieser Fluß entspringt auf dem Feldberg als kleines Bächlein mit dem harmlosen Namen "Ach". Kurz darauf stürzt er sich zu Tal und durchfließt den wunderschönen abgelegenen Feldsee, in dem ähnliche Viecher wie im Loch Ness ihr Unwesen treiben sollen. Leicht verunsichert plätschert er ruhig weiter in den touristenumlagerten Titisee, und wer Titisee heißt, leidet mal mindestens an einer kräftigen Profilneurose.
Um den Fluß im weiteren Verlauf bei Laune zu halten, wird er ab dem Titisee nicht mehr "Ach", sondern unter Hinzufügung des Adjektives "gut" die gute Ach, bzw. Gutach genannt.
Wieder einige Kilometer weiter trifft dann die hasserfüllte Haslach auf unsere liebe nette Gutach, und daß das nicht gut gehen kann, liegt ja auf der Hand. Beide Flüsse sind an dieser Stelle so wütend aufeinander, daß sie ihre Identität verleugnen und sich ab hier "wütende Ach", also Wutach nennen. Und mit dieser Wut im Bauch hat sich die Wutach ein tiefes Flußbett in den Schwarzwälder Fels gegraben, und dabei ist sie so stinkig geworden, daß sie ein ganzes Stück sogar das Tageslicht fürchtet und unterirdisch, sozusagen als "Fluß der Unterwelt", ihr Dasein fristet, um erst später wieder das Licht der Welt zu erblicken.
Angesichts dieser ganzen Begebenheiten muß man leider diagnostizieren: dieser Fluß hat `ne Macke.
nele und philipp - 12. Jul, 14:03
Wir starteten um 9.20 Uhr im Ort Feldberg, um von dort aus den Berg Feldberg zu erklimmen. Dieser sollte mit seinen 1493 Metern den höchsten Punkt unserer E1-Strecke darstellen. Leider hat man beim "Aufstieg" nicht die Voraussetzung für ein montanes Aha-Erlebnis, da hierfür der passende und angemessene Steigungswinkel fehlt. Der Feldberg ist, zumindest was seine obersten 300 Höhenmeter angeht, eher ein Hochplateau als ein Gipfel. Man sieht den obersten Punkt anhand der dort plazierten Wetterstation schon von Weitem, und nähert sich diesem auf sanft gewundenem und ebenso sanft ansteigendem Asphaltweg. Insofern also keine wirkliche Herausforderung, kein echter Aha-Effekt.
Letzterer wartete aber später auf uns. Denn im weiteren Verlauf unser Tagesetappe nach Schluchsee (gemeint ist der Ort) durchschritten wir den am Schluchsee (gemeint ist der See) gelegenen Ort namens Aha. Endlich der ersehnte Aha-Effekt.
Dazu fällt mir übrigens noch ein Witz meines Großvaters ein, und der geht so:
Frage: Was ist der Unterschied zwischen Wasser und Zwillingen?
Antwort: Wasser ist "H2O", Zwillinge sind "Oha, 2!"
nele und philipp - 12. Jul, 14:01
Japan ist das Land der aufgehenden Sonne, denn bis auf Australien und einige Atolle im Stillen Ozean geht dort die Sonne zuerst auf.
Als wir heute Morgen durchs noch reichlich verschlafene Touristendorf Titisee wanderten, konnten wir feststellen, daß die Sonne zwar noch hinter dicken Wolken steckte, die japanischen Besucher jedoch schon vollständig erschienen und auf der Suche nach den besten Fotomotiven waren. Ein künstlerisch veranlagter Japaner drappierte seine nicht wirklich glücklich lächelnde Ehefrau malerisch vor der Seekulisse und den theoretisch vorhandenen, jedoch aufgrund der Witterung unsichtbaren höchsten Erhebungen des Schwarzwaldes. Vier weitere Landsleute, ebenfalls mit der obligatorischen Fotoausrüstung vor der Brust ausgestattet, schlenderten lässig rauchend die Uferpromenade herunter und fragten sich wohl, wer die beiden bekloppten Europäer seien, die schon so früh aus den Federn gekrochen waren und nun mit Rucksack und Regenausrüstung eine Strecke erwanderten, welche man doch viel bequemer mit den parallel verkehrenden Zügen hätte bewältigen können.
Aber so ist das nun mal auf unserem Planeten: wir finden es hin und wieder seltsam, was die Japaner so treiben, und die Japaner finden es seltsam, was wir so veranstalten.
Ich finde das prima so, denn erstens hilft sowas gegen möglicherweise aufkommende Gesprächspausen, und zweitens kann man genau darüber einen netten Bericht schreiben.
nele und philipp - 12. Jul, 13:58