Montag, 5. September 2005

135. Etappe: Jesäuse

Als altem Niederrheiner fällt einem das Aussprechen des Buchstabens "G" zu Beginn eines Wortes schwer. Beispielsweise begrüßen sich Ureinwohner dieses Landstrichs nicht mit "Guten Tag", sondern mit "Juten Tach". In Gebeten spricht man mit dem lieben Jott, und Mitglied ist man im Jolfclub Stadtwald.

Wenn denn dann der gemeine Niederrheiner eine Fernwanderung von Flensburg nach Wien unternimmt, kommt er auf seinem Weg unweigerlich auch durch die wunderschöne Jebirgsregion namens Jesäuse.
Und genau dort sind wir jetzt! Heute z.B. wanderten wir von Admont, wo übrigens die größte Stiftsbibliothek der Welt situiert ist, zur Oberst-Klinke-Hütte. Und Morgen geht es weiter, zur Mödlinger Hütte, mitten ins Herz des sagenhaften Jesäuses.

134. Etappe: Lebkuchen

Wir waren in einem Supermarkt, um unsere aufgebrauchten Notvorräte an Lebensmitteln wieder aufzufüllen, z.B. Schokolade, Chips, Twix und Knäckebrot. Und was mußten meine armen Äuglein dort bereits am 3. September erkennen? Genau, endlich gab es Weihnachtsgebäck zu kaufen! Lebkuchen in allen Formen und Farben, mit Zuckerguß und ohne, einfach super. Ein kurzes Kopfrechenexempel verriet mir umgehend: Verdammt, nur noch 112 Tage bis Weihnachten!

Ich verfiel in Panik. Wie sollte ich in der kurzen Zeit all die vorweihnachtlichen Aufgaben erledigen? Geschenke kaufen, besser noch basteln (da freut man sich als Beschenkter doch gleich viel mehr...), einen Weihnachtsbaum schlagen, selbigen schmücken, Weihnachtslieder auswendig lernen, Weihnachtsgedichte schreiben, und vor allem, ganz viele Weihnachtssüßigkeiten essen.

Die Zeit ist einfach viel zu knapp bemessen, und wir hängen doch noch immer in Österreich rum und brauchen noch ein paar Wochen bis Wien. Es ist zum Aus-der-Haut-fahren!

Daher folgende dringende Bitte an die Schokoladenindustrie: Bitte bitte, stellt die Weihnachtslebkuchen nächstes Jahr direkt nach der Fußballweltmeisterschaft, also so Mitte Juli, in die Regale. Dann würde uns armen Verbrauchern wenigstens genügend Zeit für all die vorweihnachtlichen Erledigungen bleiben, und die Einkäufe würden nicht in Streß ausarten. Das wäre wirklich ganz lieb von Euch!

Danke Danke Danke!

133. Etappe: Adriano

Auf der normalen Alpenvereinshütte gibt es eine eiserne Regel, die auch sehr strikt von allen Beteiligten eingehalten wird: Hüttenruhe um 22 Uhr. Auf manch ausgesuchter Hütte existiert eine Hüttenruhe von 23 Uhr, mehr Ausnahmen gibt es nicht!

Außer letzte Nacht auf der Zellerhütte. Zunächst verlief der Abend sehr sehr ruhig. Wir aßen einen wunderbaren mit Käse überbackenen Nudelauflauf und genossen anschließend den gemütlichen Hüttenabend. Um kurz nach Neun beschlossen wir unsere Lagerbetten zu beziehen, um an der Matratze zu horchen, was aufgrund der Tatsache, daß wir die einzigen Gäste waren, durchaus Aussicht auf Erfolg hatte. Kaum lagen wir in unseren Schlafsäcken, erkannten wir Taschenlampenstrahlen außerhalb der Hütte durch die Dunkelheit huschen. Da kamen um halb Zehn doch tatsächlich noch Wanderer zur auf 1500 Metern mitten im Urwald gelegenen Zellerhütte!

Wie sich herausstellte, handelte es sich um Bekannte des Hüttenwirtes, und so begann eine ziemlich laute Nacht. Um 1 Uhr nachts wachte ich von einer wirklich gekonnt dargebrachten Adriano-Celentano-Imitation des 70er Jahre Hits "Una festa sui prati" auf. Wann wird einem so ein Schmankerl schon mal geboten?

Um halb zwei wurden dann sogar die Nachtschwärmer müde, und die Hütte kam zur Ruh.

Endlich. Bis auf das Schnarchen der im selben Lager stationierten Alkoholiker.

Hüttenruhe 22 Uhr: Find ich gut!!!

132. Etappe: Hunderettung

Nele ist die Heldin des Tages!

Wir starteten heute Morgen auf dem Prielschutzhaus in Richtung Hinterstoder, um unserem Etappenziel Zellerhütte kontinuierlich näherzukommen. Die Sonne brannte unerbittlich, doch wollen wir uns darüber mal ausnahmsweise nicht beschweren. Auf den letzten 2 Kilometern mußten wir noch 700 Höhenmeter überwinden. Begleitet wurden wir dabei von jammervollem Hundegejaule, welches links vom Weg aus dem urwaldähnlichen Gehölz schallte. Sehen konnten wir den armen Vierbeiner jedoch nicht.

Oben angekommen, gönnten wir uns ein himbeerkleppsüßes Schiwasser, und wie wir da so auf der Terrasse saßen, schlich der kleine Dackel aus dem Gestrüpp und schaute uns mitleidig an. Nele schaltete am schnellsten, und schon hatte sie den jungen Teckelrüden am Schlawittchen. Zum Glück war auf dem Halsband ein Schild angebracht, auf welchem Halter, Herkunft und Handynummer notiert waren. Nach kurzem Telefonat stand fest, daß das brave Herrchen schon im Tal war, doch Waldi noch auf dem Berg.

Die letzten Tagesgäste erbarmten sich und nahmen den Vöcki unter ihre Fittiche auf dem Weg nach unten.

Happy End dank Nele!

131. Etappe: Hüttenmagnet

Was soll das denn nun wieder sein? Haben Hütten mittlerweile ein magnetisches Feld eingebaut, das die Kompassnadel des Bergwanderers beeinflußt?

Beinahe könnte man diese Frage mit "Ja" beantworten.

So wie jeder Golfer das 19. Loch herbeisehnt, freut sich der Bergwanderer auf den Anblick seiner Zielhütte. Dabei ist es relativ egal, ob diese dann noch weit entfernt oder schon recht nah ist. Auf alle Fälle wirkt ab dem Zeitpunkt des Erblickens der sogenannte Hüttenmagnet. Dieser beeinflußt die Wandermotivation auf besonders positive Art und legt ungeahnte Kräfte frei. Geplante Ruhepausen werden rigoros ignoriert, da ja der Hüttenmagnet einem suggeriert: Kaiserschmarrn, Spaghetti, und reichlich Radler!

Heute, auf unserem Teilstück durchs Tote Gebirge von der Pühringer Hütte zum Prielschutzhaus, hat der Hüttenmagnet wieder einmal zugeschlagen. Die letzten 300 Höhenmeter vergingen wie im Fluge, und ruckzuck saßen wir beim Abendessen.

Bei Spaghetti und Radler!

130. Etappe: Pyrenäen

Nun sind wir durch ganz Deutschland und halb Österreich gestiefelt, und trotzdem hatten wir heute lange Zeit den Eindruck, durch die Pyrenäen gewandert zu sein. Das Teilstück von der Loserhütte zur Pühringer Hütte erinnerte aufgrund seines hellen hochplateauartigen Felsens und seiner pinienverwandten Latschenvegetation an das spanisch-französische Grenzgebirge. Dies im Zusammenwirken mit schwülwarmem Wetter und überhaupt nicht vorhandener Besiedlung ließ einen an eine Wanderung in südeuropäischen Gefilden glauben.

Leider mußten wir auf die traditionelle Siesta verzichten, da die Strecke lang und sehr reliefbetont war. Unsere Zielhütte erreichten wir ziemlich geschlaucht nach immerhin gut zehn Kraxelstunden, doch der Kaiserschmarrn entschädigte für so einiges, sogar für die auf der Speisekarte fehlende Paella.

Warum der Alpengebirgszug, welchen wir momentan heimsuchen, "Totes Gebirge" heißt, blieb uns bisher allerdings verborgen. Gemsen und ähnliches Getier konnten wir in genügender Anzahl nachweisen. Vielleicht wissen wir ja Morgen mehr. Schaun mer mal...

129. Etappe: Wandern bei Sonnenschein

Das schönste Wetter für eine ausgedehnte Alpenwanderung ist und bleibt der Sonnenschein!

Endlich, nach langen Tagen des Nebels und Regens, war uns ein fast wolkenloser Tag vergönnt. Wir brachen um Punkt neun Uhr in Bad Goisern am Hallstätter See auf. Zügig ging es bergan, wobei wir immer wieder tolle Ausblicke auf den See und den über ihm thronenden Dachstein hatten. Nach 4 Stunden machten wir eine wohlverdiente Mittagspause auf der einsam und still daliegenden Terrasse der auf 1500 Metern gelegenen Lambacher Hütte. Die Hütte ist wochentags leider nicht bewirtschaftet, doch hat der Wirt auf der Hüttenrückseite einen gut gekühlten Kasten Bier sowie Radler geparkt. Für drei Euro darf man sich bedienen, und sowas ließen wir uns nicht zweimal sagen.

Nach einstündiger Rast ging es beschwingt weiter in Richtung der Blaa-Alm. Unterwegs genossen wir einen glasklaren Blick auf den Schafberg sowie den unterhalb gelegenen Wolfgangsee. Das Wieslerhorn wurde leider von der Bleckwandrückseite verdeckt. Um 18 Uhr erreichten wir bei immer noch strahlendem Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen die oberhalb von Bad Aussee gelegene Loserhütte. Auf der dortigen Terrasse verbrachten wir bei Schnitzel, Pommes und Kaiserschmarrn sowie einer sensationellen Alpenpanoramasicht den Abend.

Was kann es schöneres geben?

128. Etappe: Unesco

Bisher wußten wir auch nicht, was die Unesco mit einer Wanderung von Flensburg nach Wien zu tun hat. Doch auf unserer heutigen Etappe von der Simonyhütte auf dem Dachstein ins lauschige Bad Goisern wurden wir eines besseren belehrt. Denn auf halber Strecke erreicht man nach 1700 Abstiegshöhenmetern (oder heißt das "Tiefenmeter"???) den Hallstätter See. Dieser See hat seinen Namen, genauso wie der Hallstätter Gletscher, von dem mittlerweile kleinen und eher unbedeutenden Örtchen namens Hallstatt. Das besondere an diesem Dorf war in den vergangenen 3000 Jahren die dort stattfindende Salzgewinnung, und früher war "Hallstätter Salz" ein Qualitätsbegriff. Mittlerweile kann man wohl nicht mehr reich werden allein vom Salz, und so hatte die Unesco die lustige Idee, Hallstatt zum Weltkulturerbe zu ernennen. Und seitdem tauchen hier busweise Touristen auf, vorzugsweise aus Italien, machen Fotos, kaufen Souvenirs, trinken einen Capuccino, um alsdann wieder gen Italien abzurauschen.

Frei nach dem Motto: Weltkulturerbe - find` ich gut!

127. Etappe: Alpenverein

Was ist bloß los beim Alpenverein?

Nele und ich sind jetzt seit Anfang des Jahres Mitglied im Alpenverein, und aufgrund unserer diversen Hüttenübernachtungen haben wir mittlerweile ein wenig in diesen Club "hereinschnuppern" können.

Er wurde anno tupps als "Deutscher und Österreichischer Alpenverein" gegründet, doch irgendwann wurde dieses internationale Gebilde in zwei separate Clubs aufgesplittet. Schade! Denn irgendwie hat man als neues Mitglied den Eindruck, daß es früher alles etwas besser, schöner und harmonischer war als heute. Ein interessantes Beispiel für die immer wieder entstehenden Spannungen ist das Thema Rauchen.

Der Deutsche Alpenverein hat in seiner Jahreshauptversammlung 2004 beschlossen, daß auf allen Hütten des DAV absolutes Rauchverbot herrscht. Auch auf den DAV-Hütten, die in Österreich liegen. Überall hängen jetzt Plakate, die mit diesen generell rauchfreien Hütten werben. Soweit, sogut.

Als Retourkutsche für diese Werbeaktion hat sich der Österreichische Alpenverein eine eigene Kampagne ausgedacht, die damit wirbt, daß auf den Hütten des ÖAV ausdrücklich kein Rauchverbot herrscht.

2 Werbekampagnen, 2 Werbeetats, 2 kontroverse Aussagen. Kompliment!

Da wünscht man sich doch die guten alten Zeiten des gemeinsamen Alpenvereins zurück. Da wurde das Vereinsvermögen, sprich die Mitgliedsbeiträge, sicherlich etwas intelligenter investiert...

126. Etappe: Gletscher

Der Gosau-Gletscher ist der östlichste Alpengletscher, und genau an dem sind wir heute vorbeigegangen. Und von unserem Schlafgemach ist er auch nur 200m entfernt. Er leuchtet bläulich-weiß, und auf alle Fälle ist er sehr imposant und sogar ein wenig bedrohlich.

Zum Glück ist er nicht abgedeckt, so wie es in der Schweiz ja mittlerweile in Mode gekommen ist. Hier wird der Lauf der Natur noch respektiert, und der Gletscher in Ruhe gelassen. Zumindest von direkten Einflüssen, leider nicht von klimatischen Veränderungen.

Morgen soll das Wetter noch ein wenig besser werden, und vielleicht verschwinden dann auch die hohen Wolken, die den oberen Gletscherabschnitt momentan verhüllen.

Für Spannung ist also gesorgt...

125. Etappe: Kreuzotter

Nach dem gestrigen Feuersalamander können wir heute wieder eine Begegnung mit einem seltenen Kriechtier vermelden, nämlich mit einer leibhaftigen Kreuzotter.

Wir hatten soeben den Hauptteil der zu erklimmenden Höhenmeter erreicht und befanden uns 1600 Meter über dem Meer kurz vor der Hofpürglhütte. Da das Wetter ausnahmsweise mal mitspielte, genossen wir eine herrliche Fernsicht auf das Großglocknermassiv und den Hochkönig. Die Grundeinstellung war schlicht und ergreifend positiv.

Doch was war das? 60 cm lang, schnell schlängelnd, auf dem Rücken mit einem gefährlichen Zickzackmuster versehen, bedrohte uns eine wild zischende Kreuzotter. Dieses grausame, furchterregende, horrende, giftige und menschenfressende Monster sah auf einmal ganz niedlich aus. Dennoch fingen wir nicht mit zutraulichem Getätschel an, so wie Nele es vorzugsweise mit jedem dahergelaufenen Rindvieh praktiziert. Aber irgendwie schlossen wir doch Freundschaft, und jeder ging alsbald seiner Wege.

Was für eine glückliche Sommergeschichte...

123. Etappe: Frühstück

Auf einer normalen Berghütte des Deutschen oder Österreichischen Alpenvereins sieht das Frühstück eher bescheiden aus. Es gibt 3 Scheiben Graubrot, Butter sowie ein wenig Marmelade und Leberwurst, dazu noch eine Tasse Kaffee oder Tee. Alles einfach, aber durchaus ausreichend.

Das heutige Frühstück auf der Erichhütte stellte sämtliche vorhergegangenen Hüttenfrühstücke deutlich in den Schatten. Wahrscheinlich lag das unter anderem an dem Motto unserer sehr freundlichen Hüttenwirtin: Das Frühstück muß sitzen!

Neben den oben erwähnten Standardutensilien servierte sie Orangensaft, hartgekochte Eier sowie - man höre und staune - frisch gebackenen Blaubeerkuchen!

Wir waren sehr überrascht und gleichermaßen begeistert. So ließen sich die kommenden avisierten Regenstunden wirklich aushalten.

Wer also auch auf der Hütte ein gewisses Frühstücksniveau nicht missen möchte, der sollte sich den Namen Erichhütte hinter die Löffel schreiben - es lohnt sich!

122. Etappe: Hochkönig Teil 2

Und wieder regnet es. Was liegt da näher, als den gestern gesponnenen philosophischen Faden wieder aufzugreifen und sich weitere Gedanken rund um den Hochkönig zu machen.

Die Geschichte hätte sich auch ganz anders abspielen können: Ein Engländer kommt nach Hinterthal und macht "hiking", also Bergwandern. Er wandert auf den nächsten Berg, krabbelt wieder ins Tal und trifft dort den örtlichen Volksschullehrer, welcher ihn fragt, wo er denn gewesen sei. Der Engländer antwortet, während er mit dem Finger gen Gipfel zeigt:"Hiking"

Der Volksschullehrer versteht natürlich "High king", übersetzt dies ins Deutsche, und schon ist der Berg auf den Namen Hochkönig getauft.

Nun gut, zum Glück war der Regen gegen Ende der Etappe von Hinterthal zur Erichhütte nicht mehr allzu doll, und wir hatten das seltene Vergnügen, einen auffliegenden Auerhahn beim Auffliegen beobachten zu können.

Er war sozusagen "aufgeflogen..."

Endlich mal wieder ein Highlight, über welches man ohne rot zu werden berichten kann.

121. Etappe: Hochkönig

Was kann man von einem Tag, an dem es vom Etappenbeginn um 8.30 Uhr bis zum Etappenende um 15.30 Uhr nur regnete, schon Wissenswertes berichten?

Man geht so vor sich hin, kann aufgrund des Nebels nicht viel sehen, und außerdem versperrt einem der Regenanorak sowieso die meiste Sicht. Die Erlebnisse, die sich einem auf solch einem Teilstück offenbaren, sind insofern eher mentaler Natur.

Beispiel: Man beginnt zu philosophieren, wobei die aufkommenden Gedanken zugegebenermaßen recht verschrobenen Ursprungs sind. Da gibt es einen Berg hier in der Nähe namens Hochkönig. Wie der diesen Namen bekommen hat, weiß ich nicht. Aber vielleicht hat ja vor vielen vielen Jahren ein bergbegeisterter Engländer den Weg zum Hochkönig entdeckt, und alsdann die englische Sprache um ein Wort mit der Bedeutung "Bergwandern", nämlich "Hiking", erweitert. (Hochkönig = High King = Hiking).

Naja, solche Dinge gehen einem an einem Regentag zwischen dem Riemannhaus und Hinterthal durch den Kopf. Ich muß schon sagen: Ganz schön gestört...

Dennoch möchte ich der kleinen aber feinen Leserschar mitteilen: Es geht uns gut, ehrlich!

120. Etappe: Kleine Schwestern

Wir haben uns heute bei Regen durchs Steinerne Meer von der Ingolstädter Hütte zum Riemann Haus begeben. Diese sehr kurze Tour ließ uns aus gegebenem Anlass genügend Zeit über unsere kleinen Schwestern zu reden. Mit der einen haben wir diese Tour letztes Jahr bei schönem Wetter gemacht und sie hat uns die Berge ihrer Wahlheimat Saalfelden gezeigt. Die andere rief vorgestern an und wäre heute fast mit uns gelaufen.

Wir haben uns entschlossen, daß es an der Zeit ist den beiden mal ein dickes DANKE zu sagen.

Bine hat durch ihre Rückkehr diese Tour so unkompliziert möglich gemacht, denn sie hütet alles in Krefeld. Diana sorgt durch stetigen Einsatz dafür, daß wir online aktuell bleiben und das uns unsere Post sogar auf der Zugspitze erreicht.

Wir haben zwei ganz tolle kleine Schwestern und sind mächtig stolz auf sie.

Vielen Dank euch beiden, dafür und für alles andere.

Eure großen Geschwister.

119. Etappe: Adler

Nun sind wir ja schon einige Zeit unterwegs und haben allerhand Wandererfahrung sammeln können. Und dennoch haben wir die heutige Tour von Lofer zum Ingolstädter Haus gründlich unterschätzt. Irgendwie haben uns die 1860 Höhenmeter kombiniert mit 31 km Strecke arg zugesetzt, sodaß wir ziemlich müde und erschöpft die Hütte erst um 19.25 Uhr erreichten. Da um 19.30 Uhr die Küche schloß, war unsere Ankunft gerade noch rechtzeitig, und die folgenden Spags Bolo waren vom allerallerfeinsten.

Höhepunkt unserer sonnendurchfluteten Etappe war jedoch das Auftauchen des von uns schon sehnsüchtigst erwarteten Adlers. Wir bemerkten ihn durch das attackierende Geschrei der zahlreichen Bergdohlen, die seine Gegenwart gar nicht leiden mochten und ihn mit vereinten Kräften verscheuchten.

Die Reaktion des Königs der Lüfte war majestätisch arrogant, er reagierte gar nicht, nicht mal mit einem Schlagen der Flügel. Er segelte unbeirrt weiter auf seiner Bahn, so als ob er allein auf der Welt sei. Beeindruckend.

118. Etappe: Sunset

Gerade war der gestrige Bericht fertig geschrieben und das Abendbrot aufgegessen, als der dichte Nebel, welcher den ganzen Tag das Straubinger Haus eingehüllt hatte, von einem Augenblick auf den anderen verschwand. Was uns dann in den letzten beiden Dämmerungsstunden des Tages geboten wurde, war sagenhaft, wobei Negativisten sicherlich eher zu dem Begriff "kitschig" greifen würden. Der nüchtern-sachliche Zeitgenosse hingegen hätte konstatiert, daß lediglich die Sonne unterging.

Das allerdings tat sie, und dabei produzierten die Sonnenstrahlen im Zusammenspiel mit den restlichen Wolkenfetzen und dem Wilden-Kaiser-Panorama Bilder von atemberaubender Schönheit. Wir waren so ergriffen, daß wir fast die ganze Zeit aus dem Fenster gafften, und insgesamt haben wir über 30 Fotos geschossen, wobei diese wohl nicht annähernd die Farben und die durch Kuhglockengebimmel untermalte Stimmung widergeben. Das Farbenspektrum begann im Gelblichen, schlich übers Orangene ins Rötliche, und gipfelte schließlich im Dunkelblau-lilanem, wobei einige Wolkensplitter eher rosa leuchteten. Unbeschreiblich, im wahrsten Sinne des Wortes!

Wer also mal einen Bilderbuchsonnenuntergang erleben möchte, der sorge für gutes Wetter und setze sich mit einem Weißbier auf die Terrasse des Straubinger Hauses. Alles weitere kommt dann von alleine!

124. Etappe: Feuersalamander

Die Flut hat uns noch immer nicht erwischt, und irgendwie hoffen wir, daß das bis Wien so bleiben wird.

Die angenehme Nebenwirkung der vielen Niederschläge zeigt sich in der ziemlich dünnen Wandererdichte, die wir in den letzten Tagen feststellen konnten. Dadurch wird die Tierwelt wenig beunruhigt, und man hat öfters die Gelegenheit, seltene Lebewesen zu beobachten. Nach Adler, Birk- und Auerhahn, hatten wir heute das große Vergnügen, den gelb-schwarzen Feuersalamander kennen zu lernen. Übrigens ein wahres Prachtexemplar von annähernd 20 cm.

Unsereins ist dieser Lurch ja eher aus dem Schuhladen bekannt, doch allen Unkenrufen zum Trotz gibt es ihn sogar in Echt. Irgendwo zwischen Pfarrwerfen und Lungötz.