Der Wetterbericht hatte nicht zuviel versprochen: als wir heute Morgen wach wurden, lagen draußen 10 cm Schnee und es wehte ein in Böen sehr starker Wind. Und natürlich Nebel, der eine Sicht von ungefähr 20 Metern ermöglichte.
Da der Hüttenwirt keine Bedenken hatte, uns dennoch weiterwandern zu lassen, taten wir genau selbiges.
Der Wind pfiff uns ins Gesicht, und was der vielzitierte "Windchill" ist, konnten wir nun am eigenen Leib erfahren. Zum Glück wartete nach einer Stunde eine Almhütte auf uns. Wir also rein und erstmal mit Tee aufgewärmt.
Die Sennerin war gerade dabei, Butter und Käse herzustellen. Und Nele war sofort Feuer und Flamme, ließ sich alles erklären und durfte auch die verschiedenen Käsesorten probieren. Die waren so lecker, daß wir uns gleich einiges davon einpacken ließen.
Und nun kann Nele nicht nur Brot backen, sondern auch für Brotaufstrich und Käsebelag sorgen.
Die perfekte Hausfrau eben...
nele und philipp - 20. Sep, 16:27
Die ganze Nacht schüttete es aus Kübeln, doch wenn man im trockenen warmen Bettchen liegt, lässt sich das ganz gut aushalten. Als am Morgen der Regen jedoch anhielt und den kompletten Tag durchhielt, war das alles nicht mehr so prickelnd. Dazu kam eine Wettervorhersage, welche ein Sinken der Schneefallgrenze auf 1400 Meter prognostizierte - na denn Prost Mahlzeit.
Dennoch stiefelten wir um 10 Uhr los, und erreichten nach 4 Stunden stetigen Anstiegs bei Dauerregen und Dauernebel eine bewirtschaftete Almhütte.
Nix wie rein, war die Devise!
Nach wenigen Minuten waren unsere Knochen von der wohligen Hüttenwärme aufgetaut, und ruckzuck gings uns wieder gut. Und als der Hüttenwirt uns mitteilte, daß unsere Zielhütte nur noch eine viertel Stunde entfernt sei, waren wir richtig glücklich.
Dort trudelten wir gegen 15.30 Uhr ein, und konnten noch die letzten Takte eines klassischen Bergkammerkonzertes miterleben. Als dieses beendet war und sämtliche Zuhörer per Bus ins Tal gefahren waren, stellten wir fest, daß wir die einzigen Bekloppten waren, die heute "freiwillig" die Schneealpenhütte erwandert hatten.
Kein Wunder, bei dem Sauwetter! Aber eine Alpenhütte für sich alleine zu haben, ist ein nicht zu verachtender Luxus, vor allem wenn die Hüttenwirtin nett ist und einem große Portionen Kaiserschmarrn auftischt, auch wenn der gar nicht auf der Karte steht. Hmmm, war das lecker!
nele und philipp - 20. Sep, 16:26
Heute sind wir vom Graf-Meran-Haus nach Neuberg an der Mürz gelatscht, und ohne daß wir es so richtig mitbekommen haben, war die 3000-km-Marke abgehakt. Nun ist es anscheinend wirklich nicht mehr allzu weit nach Wien, "nur" noch ca. 200 km.
Insofern sind wir bester Hoffnung, unser angestrebtes Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Naja, schaun mer mal!
Zurück zur heutigen Etappe, die wirklich sensationell schön war. Das Wetter paßte, die Temperaturen ermöglichten ein Bräunen der Unterarme, und auf der kompletten Strecke war kein Mensch unterwegs. Wir konnten einige Gemsen beobachten, und überall am Wegesrand warteten Blaubeeren, Himbeeren und sogar Brombeeren auf uns. Irgendwie erinnerte das alles sehr ans Schlaraffenland.
Für Morgen ist leider der große Wetterumschwung angekündigt. Aber was soll`s, dann ziehen wir eben die Pudelmützen an.
Ach ja, jetzt hätte ich fast die sagenhaften Enzianfelder vergessen, die wir heute gesehen haben. Alles blau bis lila, und mitten in vollster Blütenpracht!
Da werden sich die Schnapsschwarzbrenner auf eine reichhaltige Ernte freuen können...
nele und philipp - 20. Sep, 16:25
Wer erinnert sich nicht mit Grausen an den weltberühmten Hitchcock-Klassiker "Die Vögel"? Überall schwarze gemeine aggressive Vögel. Zumeist beruhigt man sich, wenn es allzu schlimm wird, mit den Worten: Das gibts doch nur im Film.
Stimmt aber nicht. "Die Vögel" kann man live erleben, und zwar in Seewiesen! Wir gingen komplett gesättigt von unserem Gourmetmahl nach Hause, als plötzlich eine Krähe von hinten kommend versuchte, auf meinem Kopf zu landen. Die Krallen streiften meine täglich grauer werdende Haarpracht, packten die Kopfhaut zum Glück nicht, und schon flog die Krähe weiter. Allerdings nur zur Dachrinne, um dort ihren nächsten Angriff zu planen. Diesmal sahen wir sie eher, d.h. im Anflug, und konnten sie mit wildem Armgefuchtel zum Abdrehen überreden. Sie startete noch zwei weitere Versuche, und dann wurden wir endlich in Ruhe gelassen.
Es gibt also nicht nur Killereichhörnchen, sondern auch Söldnerkrähen. Horror!
nele und philipp - 20. Sep, 16:24
Die heimliche Gourmethauptstadt Österreichs liegt am Fuße des Hochschwabs, im kleinen verträumten Ort Seewiesen in der Steiermark. Dort trudelten wir nach einer wildanblickreichen Wanderung - immerhin sahen wir mehrere Gemsen sowie einen jungen Steinbock - schon recht früh am Nachmittag ein und kamen sehr gemütlich in einer "Ferien auf dem Bauernhof"-Pension unter.
Die Bäuerin war gerade das Brot für die nächsten 14 Tage am Backen, und da Nele zu Hause auch hin und wieder diesem Hobby frönt, stellte sie sich ebenfalls in die Küche und lernte die letzten Kniffe des erfolgreichen Brotbackens. Das Ergebnis, welches ich abends kosten durfte, ließ das Herz eines Graubrotliebhabers auf alle Fälle höher schlagen!
Für das Abendessen empfahl uns die Bäuerin das Hotelrestaurant Seeberghof (www.seeberghof.at), welches wir nun hiermit allen Feinschmeckern ans Herz legen möchten. Dort bekamen wir eine originelle, frische und sehr schmackhafte Küche geboten. Der Höhepunkt, für den man sich unbedingt ein wenig Platz lassen sollte, sind die Nachspeisen. Vom allerallerfeinsten! Und wer hätte gedacht, daß Campari ganz hervorragend zu Himbeereis und Schokoladenmousse paßt...
nele und philipp - 20. Sep, 16:23
Alpenvereinshütten haben vieles gemeinsam, vor allem ein recht hohes Alter. Fast alle wurden zwischen 1890 und 1920 errichtet und dann im Laufe der Jahre immer wieder ausgebaut, modernisiert und renoviert. Große Herausforderungen stellen heutzutage die ökologischen Anforderungen, die auch vor respektgebietenden Höhen von über 1500 Metern nicht Halt machen. Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Stromversorgung sowie Hygienevorschriften müssen eingehalten werden, und das ist auf Basis der alten Hütten oft sehr kostspielig.
Daher haben sich die Betreiber des Schiestlhauses, auf welchem wir heute übernachten, entschlossen, das alte Haus abzureißen und ein komplett neues zu bauen. Es wurde am 2. September 2005 eröffnet, und so gehören wir nun zum erweiterten Kreis der Ersttester.
Resultat: Super!
Die Hütte hat ein modernes Design, allerdings zum Glück nicht so ufohaft wie die heutigen Seilbahnen. Alles ist auf dem Stand der Technik, mit Wasseraufbereitung und großer Photovoltaik-Anlage. Man merkt förmlich, daß der Architekt sich sehr über seine Aufgabe gefreut hat.
Nun stellt sich für uns nur noch eine Frage: schaffen es die modernen Wände, die Schnarchgeräusche betrunkener Zimmernachbarn auf ein erträgliches Maß herunterzufiltern?
Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen.
nele und philipp - 20. Sep, 16:21