2) Niedersachsen
Von Hamlen nach Extertal-Linderhofe
Dieser Tag führte uns von Hameln durchs Weserbergland in den Wintersportort Linderhofe, welcher bereits im frischbewählten Nordrhein-Westfalen liegt. Von nervigen Wahlplakaten wurden wir bei unserer Ankunft dankenswerterweise verschont.
Insgesamt war die Tour von der körperlichen Seite her ziemlich anspruchsvoll, mußten doch 876 Höhenmeter erklommen werden. Aber auch landschaftlich hat das Weserbergland, welches hier nahtlos ins Lippische Bergland übergeht, einiges zu bieten. Grüne Wälder, blumige Wiesen, gelb-leuchtende Rapsfelder sowie weite Fernblicke entschädigen reichlich für drückende Füße und schweißnasse Hemden.
Die größte psychologische Hürde - weniger für Nele aber umso mehr für mich - war die Begegnung mit dem ersten Golfplatz am E1. Schon auf der Wanderkarte hatte ich den in Golferkreisen nicht unbekannten Namen "Schloß Schwöbber" gelesen, und somit wußte ich bereits, daß wir nur unweit des gleichnamigen Golfplatzes entlangwandern würden. Und tatsächlich, auf einmal sahen wir eine Golfbahn vor uns, mit erhöhtem Grün, malerisch umrahmt von hohen Laub- und Nadelbäumen.
Nur wenige Meter weiter legten wir unsere erste Frühstückspause ein, wobei wir von unserer Bank einen guten Blick auf die Golfanlage sowie das Schloß hatten.
Nach einer guten halben Stunde gingen wir weiter, und ehrlich gesagt hat es mich schon gewundert, daß mir dieses Weitergehen angesichts des lockenden Golfplatzes so leicht fiel. Wieso das so war, weiß ich nicht. Auf alle Fälle werde ich die nächsten Tage wohl einiges zum Nachdenken haben...
nele und philipp - 27. Mai, 17:21
Von Bad Münder nach Hameln
Eine recht kurze, aber von zwei knackigen Anstiegen durchsetzte Strecke stand heute von Bad Münder nach Hameln auf unserem Programm.
Zunächst erklommen wir nach dem gestrigen Deister nun unser zweites Mittelgebirge, den Süntel. Oben erwartet einen ein Aussichtsturm, welcher mit den einladenden Schildern versehen ist: "Besteigen auf eigene Gefahr" sowie "Erwachsene 50 Cent, Kinder 25 Cent".
Der nächste Berg trägt den malerischen Namen "Schweineberg" und soll einen wohl vorsichtig auf die nur wenige Kilometer weiter vorherrschende Rattenplage vorbereiten. Denn was einen in Hameln an Rattigem erwartet, wird in vielen Deutschen Großstädten zu Weihnachten nicht vom Weihnachtsmann erreicht.
Jeder Betrieb in Hameln hat Ratten - entweder im Logo, oder in der Werbung, oder als Deko auf der Speisekarte - man kann nur hoffen, daß die nervigen Nager nicht auch in der Küche auftauchen.
Was würde Hameln wohl ohne die Geschichte der Brüder Grimm heute machen? Niemand würde Hameln kennen. Kein berühmter Sportclub, keine Autobahn, nix. Aber daß man diese Rattenhuldigung dermaßen übertreiben muß, ist schon ziemlich nervig.
Hoffentlich traut sich irgendwann mal ein Gastronom, an seine Türe zu schreiben: "Garantiert rattenfreie Zone!"
Gerne wären wir seine ersten Gäste.
nele und philipp - 27. Mai, 17:18
Von Bad Nenndorf nach Bad Münder
Nach 33 mehr oder weniger flachen Etappen hatten wir heute mit 600 Höhenmetern unsere erste Bergwertungsprüfung zu bestehen. 28 km von Bad Nenndorf über den Deister nach Bad Münder galt es zu bewältigen.
Allerdings stellten sich uns so einige Hindernisse in den Weg. Zunächst verliefen wir uns am zweiten Rasthaus, welches bereits nach einer guten Stunde auftauchte. Da die Wegmarkierung dort fehlte, mußten wir zweimal zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren, um endlich wieder den "Pfad der Tugend" zu finden. Zeitverlust durchs Umherirren: eine knappe Stunde.
Auf dem Weg zum Nordmannsturm passierte dann das schier Unfassbare. Wir hörten es in den Bäumen über uns rascheln und toben, und ehe wir nach oben schauen konnten, schoß ein Eichhörnchen nur wenige Zentimeter an meinem Kopf vorbei, landete direkt vor meinen Füßen und machte sich auf dem nächsten Baum auf und davon. Als Golfspieler ist man ja durch die Sportart an sich darauf vorbereitet, daß einen unerwartet ein Ball treffen kann. Für gewöhnlich schickt der Absender eines solchen Balles den Warnruf "Fore" seinem Geschoß hinterher.
Nicht so das hinterhältige Eichhörnchen. Ohne Vorwarnung attackierte es uns durch gezieltes Herabstürzen vom Baum aus, und es wäre für uns sicherlich schmerzlich gewesen, hätte es einen von uns erwischt.
Nachdem wir dieses schreckliche Attentat unverletzt überstanden hatten, stellte sich uns nur noch ein Phänomen in den Weg, nämlich die nach Knoblauch duftenden (oder stinkenden) Bärlauchpflanzen, welche man gleich feldweise im Deister bestaunen bzw. erschnuppern kann. Spaghetti aglio olio sind nix dagegen.
Aber auch diese Hürde konnten wir meistern, und so erreichten wir müde und erschöpft gegen Abend den mit reichlich Fachwerkhäusern gesegneten Kurort Bad Münder.
nele und philipp - 27. Mai, 17:16
Von Steinhude nach Bad Nenndorf
Geht man den E1 von Steinhude am Meer nach Bad Nenndorf, so entdeckt man den Ort Hagenburg, einen künstlichen Kaliberg in Mesmerode, einen brütenden Storch auf dem Kirchturmdach von Idensen, den Mittellandkanal sowie die lärmende A2 kurz vorm Etappenziel.
Und so ganz nebenbei hat man die Chance, eine kurze aber unterhaltsame Rast in einem überdachten Wandererhäuschen einzulegen, welches kurz hinter Idensen liegt.
Jeder kennt, vorrangig wohl aus der Schulzeit, das Phänomen der vollgekritzelten Toilettenwände. Es sind oft die gleichen, immer wiederkehrenden dummen Sprüche, welche die Themengebiete von Erotik über Politik bis zum sinnlosen Blödsinn abhandeln. Doch hin und wieder kann man auch einen Spruch finden, der einen so richtig zum Lachen bringen kann.
In dem netten Wandererhäuschen von heute Mittag stand so ein Spruch, der für sich genommen eher unspektakulär daherkommt. Stellt man sich jedoch zwei männliche pubertierende Jungs beim Niederschreiben und Sich-Überbieten-Wollen vor, so kommt eine gewisse Komik in die Sache.
Und nun endlich der dumme Spruch, der im Grunde die Steigerungsformen des Komparativs und Superlativs widerspiegelt:
Gaby ist ein Schinken!
Gaby ist eine Salami!
Gaby ist eine Mortadella!
Humor ist, wenn man trotzdem lacht...
nele und philipp - 23. Mai, 13:58
Von Otternhagen nach Steinhude
Hurra, wir haben den ersten kompletten Monat erfolgreich hinter uns gebracht!
Und zur Feier des Tages war die heutige 32. Etappe mit 15 km auch sehr kurz. Wir kamen ohne große Zwischenfälle zügig voran und trotteten schon gegen 14 Uhr in Steinhude am Meer ein. Zunächst deponierten wir die Rucksäcke in unserer Unterkunft, dann kauften wir genügend Proviant für den morgigen Tag ein, und ab 15.30 Uhr hatten wir einen freien Nachmittag! Und das bei bestem Wetter mit Sonnenschein und 20 Grad. Da gabs nur eins: ein Eis gekauft und ab mit dem Tretboot aufs Meer. Eine Stunde lang haben wir in die Pedale getreten und festgestellt, daß alle um uns herum nur mit Elektrobooten fuhren. Entweder sind wir nun die Idioten, oder alle anderen...
Auf jeden Fall macht Tretboot fahren hungrig, und das haben wir unseren italienischen Gastronom auch spüren lassen.
Insgesamt ein sehr abwechslungsreicher "Tag am Meer".
nele und philipp - 23. Mai, 13:56
Von Fuhrberg nach Otternhagen
Unser heutiger Weg führte uns von Fuhrberg über Wennebostel nach Otternhagen, und diese Ortsangabe hilft dem aufmerksamen Leser sicherlich weiter...
Egal, auf alle Fälle gabs auf dieser Strecke viel Natur zu bestaunen; unter anderem sahen wir 7 Hasen und 18 Rehe. Gerade die letzteren tauchen vermehrt in den schon recht hoch stehenden Getreidefeldern auf, in denen sie auch ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Unser erstes Rehkitz diesen Jahres konnten wir auch entdecken.
Was auf dieser Tagestour viel seltener als Reh und Hase vorkam, das waren Sitzbänke. Diese aus wenigen Holzbrettern leicht anzufertigenden Wandererrefugien waren absolute Mangelware, und das, obwohl die Landschaft wirklich sehenswert war.
Unsere erste Bank tauchte nach drei langen Wanderstunden an einer Landstraße auf. Wer bitte möchte bei seiner Pause eine Landstraße begucken? Die zweite Bank gab es dann nach weiteren zwei Wanderstunden in Form einer an der Schnellstraße liegenden Bushaltestelle, in der sich noch das Laub des vergangenen Herbstes sammelte.
Und das war es auch schon mit den Bänken an unserer Strecke, bis, ja, bis wir in die Peripherie von Otternhagen eintauchten. Dort ist man sich der Gegenwart des Europäischen Fernwanderweges sehr bewußt, und hat direkt am Weg mindestens 8 Bänke mit Tischen und Wegweisschildern, die einem die Richtungen "Bodensee" bzw. "Flensburg" anzeigen, plaziert.
Leider war Otternhagen unser heutiges Tagesziel, und daher konnten wir die Bänke angesichts unserer Herberge gar nicht mehr geniessen. Dennoch: Großes Dankeschön an Otternhagen!
nele und philipp - 23. Mai, 13:54
Von Celle nach Fuhrberg
Als alter Jäger und erfahrener Wildbeobachter habe ich schon so einiges erlebt, aber wie der heutige Tag, den wir zwischen Celle und Fuhrberg verbringen durften, zeigte, gibt es immer noch Begebenheiten, die man noch nicht erlebt hat.
Es war der Tag der Füchse. Normalerweise ist dieser rote Vierbeiner ja als sehr schlau bekannt, und aufmerksam ist er auch. Insofern kommt man als Fußgänger recht selten in die Verlegenheit, einen Fuchs zu sehen, der einen noch nicht schon lange vorher erspäht hat, und von dem man dann naturgemäß nur noch das Hinterteil erblickt.
Wir hatten heute gleich viermal das große Glück, den Fuchs zu erkennen, bevor er uns bemerkte. Das erste Mal trabte er über den vor uns liegenden Weg und tauchte auf dem daneben liegenden Pferdehindernisparcours auf. In Seelenruhe schleichte er durch die Oxer und Steilsprünge auf der Suche nach Mäusen, und wir konnten ihn sicherlich fünf Minuten betrachten, ehe er sich mit gefülltem Fang davonmachte.
Nur ca. 100 Meter weiter - wir besprachen gerade unser soeben erlebtes, seltenes Schauspiel - sahen wir rechter Hand auf einer sattgrünen Wiese einen weiteren Reineke heranschnüren. Auch er hatte uns nicht bemerkt. Und so standen wir bestimmt 20 Minuten mit Kamera und ungläubigen Gesichtern, und schauten unserem Freund bei der Jagd zu. Hochkonzentriert wartete er an einer Mäusesiedlung, und sobald sich ein Nager blicken ließ, schnellte der Fuchs mit ausgestreckten Vorderfüßen im Strecksprung seiner Beute entgegen. Er kam uns nach und nach bis auf ca. 30 Meter entgegen, sodaß auch die Fotos recht ordentlich wurden.
Irgendwann gingen wir weiter, und nach unserer Mittagspause hatten wir noch zwei weitere Male das Vergnügen mit den roten Gesellen.
Da bewahrheitete sich die gute alte Platitüde: Fuchs kann immer kommen!
nele und philipp - 23. Mai, 13:52
Von Müden an der Oertze nach Celle
Wir befinden uns momentan im Großraum Munster - wohlgemerkt mit "u" und nicht mit "ü" - welches bundesweit hauptsächlich wegen seiner Truppenübungsplätze bekannt ist. Im Grunde ist Munster fast vollständig von diesen Spielplätzen für große Jungs umgeben. Hier können sie Panzer fahren, mit Maschinengewehren rumballern, und sich des weiteren in einer Sportart üben, die man auch nach dem Wehrdienst immer wieder gerne ausübt, nämlich dem "Täuschen, Tarnen und Verpissen".
Als Wanderer erwartet man in solch einer Gegend eigentlich wenig Positives, hört sich dies allesamt nach viel Lärm und kaputtgefahrenen Wanderwegen an.
Die letzten beiden Tage haben uns jedoch gelehrt, daß dem nicht unbedingt so sein muß.
Zwar erhielten wir per diverser Warnschilder Anordnungen und Befehle vom Standortältesten, vom Commander und sogar vom Bundesverteidigungsminister, doch ansonsten war Kritik fehl am Platze.
Wir hörten keinen einzigen Gewehrschuß in den vergangenen zwei Tagen, und die Wege waren recht gut in Schuß. Besonders gefallen hat uns die reichhaltigst vorhandene Tierwelt. Wir sahen unter anderem einen schwarzen Rehbock, zwei Füchse, Hasen und Rebhühner. Weiterhin fanden wir Fußabdrücke von Rotwild, Marder und Schwarzwild, wobei letzteres wohl in rauhen Mengen dort vorhanden ist.
Und auch landschaftlich haben die Truppenübungsplätze ihren Reiz aufgrund der großzügigen Heideflächen, die andernorts oft durch "planvolle" Landwirtschaft wegrationalisiert wurden.
Auf jeden Fall sind wir gespannt, ob die niedersächsische Natur uns in den nächsten Tagen auch ohne Große-Jungs-Spielplätze begeistern wird.
nele und philipp - 23. Mai, 13:50
Von Soltau nach Müden an der Oertze
"Wasser ist zum Waschen da", sagt meine Großmutter immer. Das ist sicherlich richtig, aber Wasser kann noch soviel mehr.
Morgens füllen Nele und ich das kühle Nass in unsere jeweils zwei Liter fassenden Trinkbeutel, um es dann im Laufe des Tages schluckweise zu konsumieren.
Später sehen wir das Wasser in diversen Flüssen oder Bächen fließen, so z.B. heute in der durch Soltau strömenden Böhme sowie in der durch Müden gleitenden Örtze.
Unterwegs hatten wir 100% Wasserbegleitung in Form eines neunstündigen Dauerlandregens, der unsere Rucksäcke und Schuhe mit reichlich Feuchtigkeit füllte.
Später, als wir unser Zimmer bezogen hatten, genossen wir den Regen weitaus mehr als in den Stunden zuvor, hatte er doch nun die angenehme Temperatur von 38 Grad.
Den wichtigsten Wasserkontakt haben wir jedoch regelmäßig abends: da trinken wir es als goldgelbliches Gebräu, garniert mit einer appetitlichen weißen Schaumhaube. Es trägt dann so seltsame Namen wie Jever, Ratsherrn oder Dithmarscher, und ist immer nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut.
Na denn, Prost!
nele und philipp - 23. Mai, 13:47
Von Bisping nach Soltau
Die Eßgewohnheiten eines Wanderers weichen von denen der "normalen" Bevölkerung ab. Da wir am heutigen Tage lediglich eine für uns mittlerweile überschaubare Strecke von 20 km zu absolvieren hatten, konnten wir uns etwas Zeit für ausgedehntere Pausen gönnen.
Die Erste streuten wir nach zweistündigem Marsch entlang der Museumsbahnlinie Bispingen - Soltau sowie der Autobahn Hamburg - Hannover ein. Der Speiseplan bot Grapefruit mit Zucker, Hackbällchen mit Senf sowie die gute Pfefferminzschokolade der Firma van Netten. Sehr delikat.
Nach weiteren 90 Minuten gabs dann einen frisch geschälten Apfel sowie Brötchen mit Käse.
Mahlzeit.
Nur eine Stunde später dann eine weitere wohlverdiente Pause mit dem Rest der Hackbällchen, mit zwei reifen Bananen und zum Abschluß "Dinkelchen", eine kleine Leckerei aus Russisch Brot und Schokolade.
Mmmmhhh.
Und abends machten wir noch einen Ausflug zum Chinamann, der Hühnchen mit acht Kostbarkeiten servierte.
Guten Appetit!
Und das Beste ist: kein Gramm zugenommen!!!
nele und philipp - 23. Mai, 13:46