5) Hessen

Mittwoch, 22. Juni 2005

63. Etappe: TMFKAO

Von Lautertal-Reichenbach nach Birkenau
Heute wanderten wir durch den Odenwald. Der Odenwald ist ein deutsches Mittelgebirge, welches im südlichen Hessen sowie im nördlichen Baden-Württemberg liegt. Er hat wunderschöne Wanderwege, wunderschöne Berge sowie wunderschöne Aussichten. Nur eins fehlt dem Odenwald: ein wunderschöner Name!

Das Namensanhängsel "Wald" ist stark untertrieben, denn es handelt sich um ein Mittelgebirge, nicht mehr und nicht weniger. Und der "Vorname" Oden, Plural des veralteten Wortes "Ode", also Lobgesang, ist nicht wirklich mehr zeitgemäß.

Dieses Mittelgebirge hätte einen neuen modernen Namen verdient. Vielleicht etwas Englisches, das den alten Namen aufgreift, ihn aber neu interpretiert. So könnte aus der "Ode" ein "Rap" werden, und aus dem untertriebenen "Wald" ein angemessenes "Mountains". Ergebnis: Nicht mehr Odenwald, sondern "Rappy Mountains".

Naja, vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluß, aber immerhin ein Anfang. Vorläufig sollte man in Analogie zum Amerikanischen Popstar Prince, der sich längere Zeit TAFKAP (The Artist Formally Known As Prince) nannte, den Odenwald mit TMFKAO (The Mountains Formally Known As Odenwald) abkürzen.

Wem das alles zu abgedreht erscheint, möge berücksichtigen, daß dieser Bericht nach einem Tag von ca. 33 Grad Celsius geschrieben wurde.

Und Morgen soll es 35 Grad geben...

Montag, 20. Juni 2005

62. Etappe: Felsenmeer

Von Ober-Ramstadt nach Lautertal-Reichenbach
Endlich waren wir mal wieder am Meer! Naja, natürlich nicht an einem normalen Meer, mit Wasser und so, sondern am Felsenmeer, beheimatet bei Reichenbach im nördlichen Odenwald. Dieses Meer besteht aus einer großen Anzahl von rundlichen Felsblöcken, welche optisch den Eindruck eines Wasserfalls vermitteln, und das über annähernd 300 Höhenmeter. Und da perfektes Wetter sowie Wochenende war, waren hunderte von Kindern mit ihren hunderten von Eltern unterwegs. Dauernd hörte man Sätze wie "Guck mal" und "ich bin schneller als du" aus Kindermündern, welche dann von den Erwachsenen mit "sei vorsichtig" und "langsam, langsam" beantwortet wurden.

Unten und oben warteten die obligatorischen Eis-Busse und Kioske, welche auch als perfekte Motivationshilfen der Erwachsenen mißbraucht wurden: Kind:"Wie lange noch? Ich kann nicht mehr"; Erwachsener:"Wir sind gleich da, und oben gibt`s ein Eis!"

Alles genau so, wie es schon immer war, heute, vor einem und vor zehn Jahren.

Schön, wenn heutzutage mal etwas so bleibt wie es ist!

61. Etappe: Clubs

Von Dreieichenhain nach Ober-Ramstadt
Auf der Stecke von Dreieichenhain nach Ober-Ramstadt passierten wir das Jagdmuseum Kranichstein, welches im gleichnamigen Schloß beheimatet ist. Rund ums Museum sind hunderte von Informationstafeln aufgestellt, die den interessierten Wanderer über das deutsche Waidwerk aufklären. Leider konnten wir diese nicht alle lesen, da wir unser Tagesziel noch in weiter Ferne wußten, und vorher nicht mit einer Herberge zu rechnen war. Dennoch freuten wir uns über eine recht neu angelegte Allee, an der die "Bäume des Jahres" der vergangenen Dekade aufgereiht standen. Unter anderem dabei waren die Eiche, die Buche, der Spitzahorn sowie der Speierling.

Später am Ortseingang von Ober-Ramstadt wurde eine weitere meiner Bildungslücken geschlossen. War ich bisher noch davon ausgegangen, daß Kaninchenzüchtervereine lediglich als verbale Karikatur für kleinkariertes deutsches Vereinswesen im Sprachgebrauch existierten, so standen wir nun vor dem Anwesen eines real vorhandenen und bestehenden Karnickelzuchtclubs. Direkt nebenan hatte dann sogar noch der örtliche Brieftaubenverein sein Zuhause.

Erfreut konnten wir feststellen, daß einiges dran ist an der guten alten Platitüde: Reisen bildet!

Sonntag, 19. Juni 2005

60. Etappe: Stadtwaldlärm

Von Mainz nach Dreieich-Dreieichenhain
Heute sollte es vom Frankfurter Äppelwoi-Stadtteil Sachsenhausen ins historische Dreieichenhain gehen. Auf diesem Weg durchquert man den Frankfurter Stadtwald, welcher mit über 6000 Hektar königliche Ausmaße besitzt. Man sollte meinen, daß ein solch riesiger Wald in unmittelbarer Stadtnähe sehr viele Erholungsbedürftige auf den Jogging-, Walking- oder Spaziergehingplan rufen dürfte. Doch weit gefehlt: dieser Wald ist beinahe menschenleer! Denn ihm fehlt ein kleines aber wichtiges Walddetail, nämlich Ruhe. Wir haben einmal den Abstand der über uns fliegenden Flugzeuge, die auf die nur wenig entfernte Landebahn des Fraports zusteuerten, gestoppt, und kamen auf Zwischenräume von 58 bis 62 Sekunden, was uns aus Sicherheitssicht ziemlich bedenklich vorkam.

Auf alle Fälle war es nervtötend laut. Kurz darauf überquert man die Bundesautobahn A3, welche auch durch den Stadtwald führt. Dort schaffen es neun (!!!) Fahrspuren, kurzfristig sogar den Fluglärm zu übertönen.

Wir haben diesen Lärm wahrlich genossen, ahnten wir doch, daß es von hier an nur besser werden kann, und daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

59. Etappe: Weißwurstäquator

Wer Frankfurt von Norden nach Süden durchwandert, erwartet häßliche Mietshäuser und laute Straßen, gemischt mit einem Berg an Kriminalität. Wir können diese Vorurteile, zumindest was die Wegführung des E1 angeht, nicht bestätigen. Zunächst nähert man sich unterhalb des Taunus über weite Felder bei grandioser Aussicht "Mainhatten". Sobald es in die Wohngegenden geht, wird man in grünen Parks durch die Häuserblocks geführt, wobei einem gerade die Sauberkeit dieser Anlagen auffällt. Später wandert man an der Nidda, einem kleinen Nebenfluß des Mains, entlang und passiert dabei den Grüngürtel. Und ehe man es erwartet hat, steht man vor den hohen Bürotürmen, welche Frankfurt eine beinahe amerikanische Skyline verleihen.

Direkt dahinter verläuft der "Weißwurstäquator", der die Grenze zwischen Südschweden, auch Preußen genannt, und dem Freistaat Bayern markiert, nämlich der Main. So jedenfalls wurde mir die Bedeutung dieses Flusses während meiner Bundeswehrzeit in Oberbayern erklärt. Ob das alles so stimmt, wage ich mittlerweile zu bezweifeln, da nirgendwo Grenzposten zu sehen waren. Oder hat Bayern inzwischen das Schengener Abkommen unterzeichnet?

Wir werden versuchen, diese Frage zu beantworten, sobald wir Kontakt zu eingeborenen Oberbayern hergestellt haben.

Mittwoch, 15. Juni 2005

58. Etappe: Superdog

Von Glashütten nach Mainz
Einige kennen vielleicht noch die lustige Comic-Serie "Cow and Chicken" aus dem Fernsehen, wo die trottelige "Cow" in ausweglosen Situationen zu "Supercow" mutierte und unglaubliche Fähigkeiten und Kräfte entwickelte.

Bei unserem Gipfelsturm auf den Großen Feldberg erlebten wir heute die Hundeversion, also "Superdog". Eine recht großer schwarzer Mischling trabte vor uns auf dem steil ansteigenden Weg, und hatte dabei ein riesiges Brennholzstück zwischen den Zähnen, bestimmt 5 kg schwer. Aufgrund des hohen Gewichts war er gezwungen, sehr kleine Tippelschritte zu machen, diese jedoch mit einer hohen Frequenz. So ließ er Frauchen immer 100 Meter Vorsprung und ruhte sich unterdessen ein wenig aus, um dann wieder mit dem schweren Holzblock seine Chefin zu überholen. Das ging bestimmt eine viertel Stunde so, doch dann gingen die beiden einen anderen Weg als wir.

Nachdem wir auf dem Gipfel gerastet hatten, machten wir uns an den Abstieg über die Rückseite des Großen Feldbergs. Und wie wir so 15 Minuten unterwegs sind, liegt da tatsächlich mitten auf dem Weg das riesige Holzstück von "Superdog". Insgesamt hat der Hund diese Last bestimmt 300 Höhenmeter und 3 Kilometer weit getragen, und alles mittels seiner Kiefer- und Nackenmuskeln.

Respekt, Superdog, wir ziehen unseren Hut vor dieser Leistung! Allerdings wären wir dir dankbar, wenn du das nächste Mal nicht das bekloppte Holzstück, sondern lieber unsere Rücksäcke den Berg heraufschleppst...

Danke!

Dienstag, 14. Juni 2005

57. Etappe: Der Berg ruft

Von Hennethal nach Glashütten
Seit Tagen, genau genommen seit wir aus dem Wald oberhalb von Welschneudorf traten, laufen wir diesem Berg hinterher. Er ist der höchste Berg des Taunus und trägt den zurückhaltenden Namen "Großer Feldberg". Interessanterweise werden wir in einigen Wochen, so es unsere Gesundheit erlaubt, auf dem knapp doppelt so hohen Feldberg im Schwarzwald stehen und uns wohl zu Recht die Frage stellen, was denn bitteschön das "Große" am "Großen Feldberg" gewesen sein soll.

Andererseits ist der Schwarzwälder Feldberg ein Berg unter Vielen, d.h. er sticht nicht sonderlich heraus unter seinen Schwarzwälder Bergkollegen. Der Taunus-Feldberg hingegen ist wirklich weit und breit die absolut höchste Erhebung, und es spricht für die Bescheidenheit der Hessen, daß sie ihn nicht mit den Adjektiven "gigantisch", "kolossal" oder "majestätisch" bei der Namensgebung geschmückt haben.

Auf alle Fälle haben wir in den letzten Tagen genügend Respekt tanken können, so daß wir heute unser Basislager im ca. 400 m unterhalb des Gipfels gelegenen Ort Glashütten aufgeschlagen haben. Dies zeigt, wie ernst wir der Herausforderung "Großer Feldberg" begegnen. Des weiteren haben wir im Anschluß an die morgige Besteigungsetappe zwei Ruhetage einkalkuliert, an denen wir wieder zu Kräften kommen wollen.

In diesem Sinne: "Wie schallt´s von der Höh? - Hollereidulliöh!"

56. Etappe: Zecken, Bremsen und Gullys

Von Balduinstein nach Hennethal
Zunächst wurden wir überrascht, als auf dem Nachbarbalkon eine asiatische Schönheit den Sonnenaufgang an der Lahn mit einigen ästhetisch wertvollen Yoga- und Thai-Chi-Übungen begrüßte. Beim Frühstück dann die nächste positive Erstaunlichkeit: neben Brötchen, Eiern und Müsli wurden uns auch kulinarische Besonderheiten wie Lachs, Krabbencocktail und Rote Grütze kredenzt. Spontan passten wir unsere Eßgewohnheiten der neuen Angebotsstruktur an und erhöhten die Nachfrage bis an die Dehnbarkeitsgrenze unserer Mägen.

So ausgestattet mußten wir direkt zu Beginn dieser Etappe von Balduinstein nach Hennethal 300 Höhenmeter erklimmen. Vielleicht hätten wir uns beim Frühstück ein wenig zurückgehalten, wenn uns dies vorher klar gewesen wäre. Hinterher weiß man immer mehr...

Am frühen Nachmittag ging der Weg in einen Wiesenpfad über, an dessen Ende wir unsere Hosen und Waderln auf Zecken inspizierten. Bilanz: Nele 10, Philipp 6. Allerdings hatte sich noch keine festgebissen.

Wenige Kilometer weiter tauchte dann unsere erste Tourbremse auf, aber auch dieser konnten wir noch gerade rechtzeitig den Garaus machen. Wir mögen ja Tiere, aber ehrlich gesagt sind uns Rehe und Bergmolche deutlich sympatischer als Zecken und Bremsen.

In Michelbach machten wir Bekanntschaft mit dem riesigen Passavant-Werk. Hört sich an, als würden hier Automischlinge von VW und Audi produziert, tatsächlich werden aber nur Gullydeckel gefertigt, und die liegen dann überall auf Deutschlands Straßen herum und tragen am Rand den interessanten Werksnamen. Und obwohl Sonntag war, konnten wir den E1-Markierungen mitten durchs Werk problemlos folgen. Eine wirklich sehr unkomplizierte Werksführung.

Montag, 21. März 2005

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